Die anhaltende Hitzewelle mit Temperaturen über 30 Grad lässt nicht nur Menschen schwitzen, sondern erwärmt auch das Trinkwasser in den Leitungen. Viele Verbraucher fragen sich, ob das warme Wasser aus dem Hahn gesundheitlich bedenklich ist. Ein Experte gibt Entwarnung: Keimbelastungen sind Einzelfälle, doch in bestimmten Situationen, etwa nach dem Urlaub, ist Vorsicht geboten.
Was geschah in Buckow?
Im brandenburgischen Kurort Buckow (knapp 1500 Einwohner) wurden tagelang Coli-Bakterien im Trinkwasser nachgewiesen, wie der RBB berichtete. An allen sieben Messstellen der Stadt fanden sich die Bakterien. Das Abkochgebot wurde vor Kurzem wieder aufgehoben – der Verdacht, dass die Hitze die Ursache war, bestätigte sich nicht. Laut rbb teilte der Wasserverband Märkische Schweiz mit, dass die Verunreinigung auf einen Mückenbefall in einem Hochbehälter zurückzuführen sei, der als Wasserzwischenspeicher dient.
Einzelfall oder Sommerphänomen?
Bernd Heinz, Geschäftsführer der AWWR (Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr), ordnet den Vorfall ein: „So etwas wie Buckow gehört in die Kategorie Einzelfälle.“ Zwar könne das Trinkwasser im Sommer auf über 20 Grad Celsius erwärmt werden, während es im Winter etwa acht bis zehn Grad habe, doch die Kontrollen in Deutschland seien so intensiv, „dass wir eine überaus hohe Sicherheit haben, was unsere Wasserqualität angeht“.
Heinz betont: „Es werden tägliche Proben vorgenommen“ – an unterschiedlichen Stellen: im Grundwasser oder am Fluss, an den Filterstationen der Wasseraufbereitung und am Ende des Prozesses. Zusätzlich würden in den Versorgungsgebieten exemplarische Proben entnommen, etwa im Rathaus einer Gemeinde. „Dank der Trinkwasserverordnung in Deutschland wird das sehr genau durch unabhängige Labore überprüft. Verkeimtes Wasser sehen Sie ja nicht oder riechen es auch nicht – das merken nur die Labore.“ Bei Auffälligkeiten werde sofort das Gesundheitsamt eingeschaltet.
Urlaubsrückkehr: Wasser laufen lassen
Viele lassen das warme Wasser nach dem Aufdrehen erst einmal laufen. Heinz bestätigt: „Ja, genau – lass mal laufen, das macht man so intuitiv. Ist ja auch angenehmer.“ Aus gesundheitlicher Vorsicht sei das im normalen Alltag aber nicht nötig: „Nein, das ist im normalen Alltag nicht nötig. Es sei denn, man kommt aus dem Urlaub zurück, und die Leitungen sind bei der Wärme länger nicht durchgespült worden. Da empfiehlt es sich dann schon.“ Gleiches gelte für Wasser, das abends in die Kaffeekanne gefüllt wird: „Vom Vorabend zum Morgen ist das auch bei Hitze kein Problem. Wenn man aber nach zwei, drei Wochen aus dem Urlaub kommt, sollte man es doch wegschütten und erneuern.“
Mythen über Ablagerungen und Brackwasser
Heinz räumt mit falschen Vorstellungen auf: „Es ist beispielsweise keinesfalls so, dass sich Ablagerungen in den Leitungen durch die Hitze lösen und das Trinkwasser verunreinigen könnten. Das Material ist für diese Temperaturen – und auch noch höhere – ausgelegt.“ Auch verstärkte Kalkbildung sei unbedenklich: „Die Kalkschicht ist dann eher noch eine Art Schutzschicht.“
Die Befürchtung, dass sich in Vorratsspeichern durch Hitze Brackwasser ansammelt und verteilt wird, weist Heinz entschieden zurück: „So etwas ist bei unseren Hygienevorschriften gänzlich unmöglich.“ Wenn es dennoch zu Belastungen komme, habe das oft andere Gründe, etwa eine Baustelle oder Reparaturen an Trinkwasserleitungen. In solchen Fällen müsse intensiv geprüft werden, ob das Wasser keimfrei ist. Bei Auffälligkeiten ordnen Gesundheitsämter Maßnahmen wie Abkochgebote an.
Hohe Sicherheit durch Kontrollen
Präventives Abkochen sei auch für empfindliche Personengruppen nicht nötig: „Auch nicht für alte Menschen, Kinder oder Schwangere“, so Heinz. In Deutschland sorgten etwa 8000 Wasserversorger dafür, dass die Auflagen der Trinkwasserverordnung eingehalten werden. „Es ist bei uns nicht wie in Südeuropa, wo man ganz andere Wasseraufbereitungen durchführt. Man kann hier volles Vertrauen haben. Das hat etwas mit den Kontrollen zu tun, aber auch damit, dass wir im EU-Vergleich über ein Grundwasser von sehr guter Qualität verfügen.“



