Flüge, Hotels, Restaurantbesuche – Reisen wird immer teurer. Für viele Beschäftigte ist das Urlaubsgeld daher in diesem Jahr besonders wichtig. Doch weniger als die Hälfte aller Arbeitnehmer profitiert davon. Das zeigt eine Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.
Nur 44 Prozent erhalten Urlaubsgeld
Laut der Untersuchung bekommen 44 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft einen Zuschuss zur Urlaubskasse. Die besten Chancen auf diese Sonderzahlung haben Beschäftigte in Großbetrieben mit Tarifvertrag und mehr als 500 Mitarbeitenden. Männer profitieren häufiger als Frauen: 49 Prozent der Männer arbeiten in Betrieben, die Urlaubsgeld zahlen, aber nur 38 Prozent der Frauen.
Die Daten basieren auf dem WSI-Onlineportal Lohnspiegel, einer kontinuierlichen Onlineumfrage unter Erwerbstätigen. Zwischen Mai 2025 und Mai 2026 nahmen rund 50.000 Beschäftigte teil. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, erlaubt aber aufgrund der hohen Fallzahlen detaillierte Einblicke in die tatsächlich gezahlten Vergütungen und Sonderzahlungen. Beschäftigte des öffentlichen Dienstes wurden nicht berücksichtigt.
Tarifvertrag als entscheidender Faktor
Ob Urlaubsgeld gezahlt wird, hängt primär von der Tarifbindung ab: 73 Prozent der Beschäftigten in tarifgebundenen Unternehmen erhielten Urlaubsgeld, aber nur 35 Prozent in Unternehmen ohne Tarifvertrag. „Wenn der Tarifvertrag fehlt, fehlt meist auch das Urlaubsgeld, und die Grundgehälter sind im Durchschnitt niedriger. Das ist ein seit Jahren stabiler Befund“, sagt WSI-Lohnexperte Malte Lübke. Er sieht es als bedenklich an, dass in der Privatwirtschaft nur noch knapp jeder zweite Arbeitgeber an einen Tarifvertrag gebunden ist. Mitte der 1990er Jahre galt eine Tarifbindung noch in acht von zehn Betrieben.
Höhe des Urlaubsgeldes variiert stark
Wie hoch das tarifliche Urlaubsgeld ausfällt, hängt von den genauen Regelungen in den einzelnen Tarifverträgen ab. Die Spannbreite reicht von 186 Euro für Beschäftigte in der Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 2904 Euro für Angestellte in der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie in Westfalen-Lippe.
In der Eisen- und Stahlindustrie Nordrhein-Westfalens fällt der Betrag mit 3363 Euro noch höher aus, beinhaltet aber auch andere Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld. Die Angaben beziehen sich auf Beschäftigte in der mittleren Vergütungsgruppe ohne Zulagen oder Zuschläge. Die Höhe des Urlaubsgeldes ist meist vom Grundgehalt abhängig, einige Tarifverträge sehen jedoch einen Pauschalbetrag vor.
Branchen mit dem höchsten tariflichen Urlaubsgeld
- Holz und Kunststoff verarbeitende Industrie: West 2904 Euro, Ost 1835 Euro
- Papier verarbeitende Industrie: West 2692 Euro, Ost 2502 Euro
- Metallindustrie: West 2554 Euro, Ost 2268 Euro
- Druckindustrie: West und Ost 2211 Euro
- Kfz-Gewerbe: West 2341 Euro, Ost 2027 Euro
- Versicherungsgewerbe: West und Ost 1850 Euro
- Einzelhandel: West 1610 Euro, Ost 1586 Euro
- Bauhauptgewerbe: West 1627 Euro, Ost 1586 Euro
- Chemische Industrie: West und Ost 1200 Euro
- Gebäudereinigungshandwerk: West und Ost 1076 Euro
Die Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland sind in einigen Branchen erheblich. Während in der Holz- und Kunststoffindustrie im Westen 2904 Euro gezahlt werden, sind es im Osten nur 1835 Euro. In der Papierindustrie hingegen ist die Differenz geringer: 2692 Euro im Westen gegenüber 2502 Euro im Osten.



