Viele Banken locken Neukunden mit Tagesgeldzinsen, die deutlich über dem Standardzinssatz liegen. Wer sein Geld regelmäßig umschichtet, kann dadurch zusätzliche Erträge erzielen. Doch unter welchen Bedingungen lohnt sich das?
Was ist Zins-Hopping?
Beim Zins-Hopping wird das Ersparte immer wieder auf ein Tagesgeldkonto mit einem besseren Zinssatz übertragen. Häufig nutzen Anleger dafür zeitlich begrenzte Neukundenangebote. Endet die Aktion, wird das Geld zur nächsten Bank verschoben. Tagesgeld eignet sich grundsätzlich gut für diese Strategie: Das Guthaben ist nicht fest angelegt und kann jederzeit auf das hinterlegte Referenzkonto zurücküberwiesen werden. Eine Kündigungsfrist wie beim Festgeld gibt es normalerweise nicht. Auf den Schufa-Score haben Tagesgeldkonten keine Auswirkung, im Gegensatz zu Girokonten.
Welche Konten eignen sich fürs Zins-Hopping?
Fürs Zins-Hopping eignen sich am besten Tagesgeldkonten, die ohne Referenz-Girokonto bei der Bank eröffnet werden können. Das mindert den organisatorischen Aufwand und mögliche Auswirkungen auf den Schufa-Score. Ein Angebot, das sich aktuell lohnt, ist etwa das Tagesgeldkonto der Consorsbank. Hier gibt es momentan 3,4 Prozent p. a. für Neukunden, und zwar über einen Zeitraum von fünf Monaten. Ideal für größere Einlagen: Der Zinssatz gilt auf Summen bis zu einer Million Euro.
Die Postbank bietet im Rahmen ihrer aktuellen Neugeld-Aktion 3,2 Prozent Zinsen p. a. auf das Tagesgeld. Der Aktionszins wird für sechs Monate auf Einlagen bis 250.000 Euro gewährt. Um von der Aktion zu profitieren, müssen bis zum 10. August 2026 mindestens 2.500 Euro Neugeld auf ein neu eröffnetes oder das zuletzt eröffnete Tagesgeldkonto, das bisher an keiner Aktion teilgenommen hat, eingezahlt werden. Auch Bestandskunden können hier also profitieren. Als Neugeld gelten ausschließlich Gelder, die vor Beginn des Aktionszeitraums nicht auf Konten oder Depots der Postbank oder Deutschen Bank geführt wurden.
Darauf sollten Sparer beim Wechsel achten
Nicht jedes Tagesgeldkonto eignet sich fürs Zins-Hopping. Diese Aspekte sollten Sparer im Blick behalten:
- Neukundenbedingungen beachten: Die meisten Angebote gelten nur für Kunden, die längere Zeit kein Konto bei der jeweiligen Bank oder dazugehörigen Banken hatten.
- Zinsgutschrift berücksichtigen: Je nach Bank werden die Zinsen monatlich, vierteljährlich oder jährlich ausgezahlt.
- Anlagegrenzen vergleichen: Der Aktionszins ist oft auf einen bestimmten Höchstbetrag begrenzt.
- Überweisungszeiten einplanen: Während des Kontowechsels kann das Geld vorübergehend unverzinst auf dem Referenzkonto liegen.
- Fristen im Blick behalten: Eine Erinnerung zum Ende der Zinsgarantie verhindert, dass das Guthaben zu einem niedrigen Bestandskundenzins liegen bleibt.
Grundsätzlich sollten Sparer bei der Eröffnung eines Tagesgeldkontos auch auf die Einlagensicherung achten, mögliche Zusatzkosten – etwa für ein zugehöriges Girokonto – im Blick behalten und bei der Bank einen Freistellungsauftrag einrichten, um den Sparer-Pauschbetrag auszuschöpfen. Bei sehr hohen Beträgen kann es sinnvoll sein, das Geld auf mehrere Institute zu verteilen. Wer dann mehrere Tagesgeldkonten parallel nutzt, sollte die Freistellungsaufträge entsprechend auf die verschiedenen Banken verteilen.
Weitere attraktive Angebote für Zins-Hopper
Bei der Volkswagen Bank gibt es mit 3,1 Prozent p. a. etwas weniger Zinsen auf neu angelegtes Tagesgeld – dafür aber schon ab dem ersten Cent und für vergleichsweise lange sechs Monate. Ebenfalls top: Dank monatlicher Auszahlung profitieren Sparerinnen und Sparer hier vom Zinseszinseffekt.
Die Bank of Scotland bietet Neukundinnen und Neukunden aktuell einen Tagesgeldzins von 3,25 Prozent pro Jahr auf Einlagen bis zu 100.000 Euro. Der Aktionszinssatz gilt für drei Monate und schon ab einem Euro Einlage. Die Kontoführung ist kostenlos und erfolgt vollständig online, ein Girokonto bei der Bank of Scotland ist für das Tagesgeldangebot nicht nötig. Die Bank of Scotland ist eine Marke der in Berlin ansässigen Lloyds Bank GmbH und unterliegt daher der deutschen Einlagensicherung.
Tipp: Überflüssige Konten kündigen
Wer nach Ablauf der Zinsgarantie zu einer neuen Bank weiterzieht, sollte das alte Tagesgeldkonto schließen. Denn bei den meisten Banken gelten ehemalige Kunden nach zwölf bis 24 Monaten wieder als Neukunden – und können dann wieder entsprechende Sonderkonditionen einstreichen. Für die Bonitätseinschätzung der Schufa sind Tagesgeldkonten im Gegensatz zu Girokonten unbedenklich.
Fazit: Für wen zahlt sich Zins-Hopping aus?
Zins-Hopping kann die Rendite eines Tagesgeldkontos erhöhen. Interessant ist die Strategie für Sparer, die eine größere Summe flexibel parken möchten und bereit sind, regelmäßig Angebote und Fristen zu vergleichen. Für kleinere Beträge lohnt sich der häufige Bankwechsel dagegen nicht immer. Der zusätzliche Zinsertrag steht dann möglicherweise in keinem angemessenen Verhältnis zum Aufwand. Auch ein Tagesgeldkonto mit einem dauerhaft soliden Zinssatz oder einem vergleichsweise langen Aktionszeitraum kann deshalb eine gute Lösung sein – selbst wenn es nicht den höchsten Neukundenzins bietet. Wer Zins-Hopping ausprobieren möchte, sollte daher nicht jedem kurzfristigen Spitzenangebot hinterherlaufen. Sinnvoller ist es, Zins, Laufzeit, Bedingungen und Einlagensicherung gemeinsam zu betrachten. So bleibt das Geld flexibel verfügbar und erzielt gleichzeitig eine möglichst gute Rendite.



