Chefarzt warnt vor Metallsplittern: Rückrufe bei Ibuprofen und Gewürzen häufen sich
Metallsplitter in Ibuprofen und Gewürzen: Chefarzt warnt

Metallsplitter in Medikamenten und Gewürzen: Experten warnen vor Gesundheitsgefahren

In einer besorgniserregenden Entwicklung häufen sich die Rückrufaktionen wegen metallischer Fremdkörper in Konsumgütern. Der tschechische Pharmakonzern Zentiva hat eine komplette Charge des Schmerzmittels Ibuflam Lichtenstein zurückgerufen, nachdem in einer 50er-Packung Ibuprofen-Tabletten Metallsplitter entdeckt wurden. Ibuprofen zählt zu den meistverkauften Medikamenten gegen Kopfschmerzen und Fieber in Deutschland.

Pharmahersteller reagiert mit Vorsichtsmaßnahme

Zentiva-Sprecherin Katharina Holtz erklärte: „Als Vorsichtsmaßnahme haben wir in Abstimmung mit der zuständigen Aufsichtsbehörde eine Charge Ibuflam 600 mg Lichtenstein Filmtabletten von Großhändlern und Apothekern zurückgerufen.“ Betroffen ist ausschließlich die Chargennummer 5R02514. Der Rückruf richtet sich nicht direkt an Patienten, sondern erfolgt über die Vertriebskanäle.

Gewürzhersteller ruft vier Produkte zurück

Bereits einen Tag vor der Ibuprofen-Warnung hatte der beliebte Gewürzhersteller Ankerkraut einen Rückruf für mehrere Produkte initiiert. Während der Produktion wurden Metallstücke in der Rohware entdeckt. Folgende Produkte sollten nicht verzehrt werden:

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  • Gyros-Gewürzmischung (80 Gramm im Korkenglas, Haltbarkeit bis 10.02.2029)
  • Brathähnchengewürz (75 Gramm im Korkenglas, Haltbarkeit bis 22.01.2029)
  • Gänse- und Entenbratengewürz (75 Gramm im Korkenglas, Haltbarkeit bis 22.01.2029)
  • Smoking Zeus Trockenmarinade BBQ-RUB (200 Gramm im Streuer, Haltbarkeit bis 29.01.2029)

Ankerkraut-Chef Timo Haas betonte: „Wir nehmen diesen Fall sehr ernst und möchten offen und direkt kommunizieren, was passiert ist.“ Bei den Gewürzen soll es sich um Draht handeln, der unter anderem bei der Aufzucht von Pflanzen verwendet wird.

Wie gelangen Metallsplitter in Produkte?

Die Ursachen für metallische Verunreinigungen sind vielfältig. In der Lebensmittel- und Pharmaindustrie können Metallteile von Produktionsmaschinen stammen oder bereits in der Rohware enthalten sein. Der Pharmakonzern Zentiva hält sich zur konkreten Ursache im Ibuprofen-Fall noch bedeckt. Dies ist bereits die achte Rückrufaktion wegen Fremdkörpern in Lebensmitteln und Medikamenten in diesem Jahr allein. Bereits im November wurden Metallteile in Tütensuppen von Knorr gefunden, und auch Wurst, Hüttenkäse und Bio-Datteln waren in der Vergangenheit betroffen.

Medizinische Risiken durch metallische Fremdkörper

Lebensmittel-Expertin Sabrina Göddertz vom Verbraucherzentrale Bundesverband warnt: „Metallteile in Lebensmitteln können eine ernste Gesundheitsgefahr sein.“ Dr. Daniel Benten, Chefarzt für Gastroenterologie am Asklepios Klinikum Harburg, erläutert die spezifischen Risiken: „Der Magenpförtner stellt bei solch kleinen Partikeln kein Hindernis dar. Allerdings haben längliche und spitze Fremdkörper ein erhöhtes Risiko für Komplikationen.“

Während Speiseröhre und Magen meist nur oberflächliche Schleimhautläsionen davontragen, können spitze Teile die dünne Wand des Dünndarms durchbohren und zu Abszessen führen. Der Gastroenterologe gibt jedoch auch Entwarnung: „Allerdings hat der Dünndarm die hervorragende Funktion, dass über die feine Muskulatur der Schleimhautschicht in der Regel auch spitze Fremdkörper so durch den Verdauungstrakt geleitet werden, dass es nicht zu einer Perforation der Wand kommt.“ Die Fremdkörper werden dann mit dem Stuhlgang ausgeschieden. Größere Fremdkörper müssen hingegen oft durch medizinische Eingriffe wie Magenspiegelungen entfernt werden.

Zunehmende Problematik in der Produktsicherheit

Die aktuellen Fälle zeigen eine besorgniserregende Entwicklung in der Produktsicherheit auf. Sowohl in der Pharmaindustrie als auch in der Lebensmittelherstellung häufen sich die Vorfälle mit metallischen Verunreinigungen. Verbraucherschützer fordern strengere Kontrollen in den Produktionsketten, während Hersteller betonen, dass Rückrufe primär Vorsichtsmaßnahmen darstellen. Die zuständigen Aufsichtsbehörden überwachen die Situation weiterhin intensiv.

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