Antisemitismus in Baden-Württemberg: 335 Vorfälle im Jahr 2025 gemeldet
335 antisemitische Vorfälle in Baden-Württemberg 2025

Erster Jahresbericht der Meldestelle Rias für Baden-Württemberg

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) hat ihren ersten Jahresbericht für Baden-Württemberg vorgelegt. Demnach wurden im Jahr 2025 insgesamt 335 antisemitische Vorfälle im Südwesten erfasst. Projektleiter Robert Ogman erklärte bei der Vorstellung des Berichts, dass damit nahezu täglich ein Vorfall dokumentiert worden sei. Die Zahlen basieren auf Meldungen von Betroffenen und Zeugen und weichen von der offiziellen Kriminalstatistik ab.

Häufigste Orte und Kontexte der Vorfälle

Laut Bericht ereigneten sich die meisten Vorfälle auf der Straße (154 Fälle). An zweiter Stelle folgt das Internet, an dritter Stelle stehen Bildungseinrichtungen wie Schulen oder Hochschulen. Mehr als 70 Prozent der erfassten Vorfälle stehen im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt und werden mit Israel in Verbindung gebracht. „Jüdinnen und Juden, jüdische Gemeinden und Institutionen wurden angefeindet und für das vermeintliche Handeln Israels verantwortlich gemacht“, heißt es in dem Bericht.

Auswirkungen auf jüdische Gemeinden

Barbara Traub, Vorstandsprecherin der israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, betonte, dass die Zahlen das bestätigen, was man seit Jahren spüre. „Wir stellen schon länger fest, dass sich Gemeindemitglieder immer häufiger zurückziehen“, sagte sie. Familien meldeten ihre Kinder aus Angst vor Diskriminierung vom Religionsunterricht ab, damit aus dem Zeugnis nicht hervorgeht, dass sie jüdisch sind. Ogman ergänzte: „Sichtbarkeit ist für viele Jüdinnen und Juden eine tägliche Abwägung.“

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Reaktion der Landesregierung

Baden-Württembergs Sozialminister Oliver Hildenbrand (Grüne) bezeichnete den Bericht als drastische Erinnerung daran, dass Antisemitismus leider auch im Südwesten zum Alltag gehöre. „Die erfassten Fälle sind für mich ein Auftrag zum Handeln. Wir dulden keine Form von Antisemitismus. Antisemitismus ist die rote Linie“, sagte der Minister. Die Landesregierung kündigte an, die Maßnahmen gegen Antisemitismus zu verstärken.

Hintergrund und Methodik

Rias erfasst antisemitische Vorfälle mittlerweile in zwölf Bundesländern und veröffentlicht jährlich einen bundesweiten Bericht. Die Meldestelle nimmt sowohl Straftaten als auch Vorfälle unterhalb der Strafbarkeitsschwelle auf, wie Beleidigungen oder Schmierereien. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen, da viele Betroffene aus Angst oder Resignation auf eine Meldung verzichten.

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