Bericht zeigt: 335 antisemitische Vorfälle in Baden-Württemberg 2025
335 antisemitische Vorfälle in BW 2025

Bericht zeigt: 335 antisemitische Vorfälle in Baden-Württemberg 2025

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) hat ihren ersten Jahresbericht zu antisemitischen Vorfällen im Südwesten vorgelegt. Demnach wurden im Jahr 2025 insgesamt 335 Vorfälle erfasst, die von Beleidigungen über Sachbeschädigungen bis hin zu tätlichen Angriffen reichen. In 16 Fällen wurden Menschen angegriffen, in 31 Fällen kam es zu Sachbeschädigungen.

Die Vorfälle ereigneten sich in allen Teilen des Landes, sowohl in Städten als auch auf dem Land. Drei Beispiele aus dem Jahr 2025: In Kehl wurden vier Juden vor einem Gebetsraum bespuckt, der Täter rief „Fuck Israel“ und „Free Palastine“. In Südbaden wurde ein jüdischer Schüler gemobbt und die Treppe hinuntergestoßen, Mitschüler riefen ihm zu: „Es interessiert niemanden, wenn du stirbst“. In Reutlingen beleidigte ein Mann auf offener Straße zwei als Juden erkennbare Personen als „Schwuchtel“ und „Scheißjuden“ und forderte einen Mann auf, seine Kippa zu verdecken.

Nahost-Konflikt als Treiber

Die meisten Vorfälle ordnete Rias dem sogenannten „israelbezogenen Antisemitismus“ zu. In etwa 70 Prozent der Fälle habe sich der Vorfall auf den Staat Israel bezogen. Es sei etwa dessen Vernichtung gefordert worden oder Jüdinnen und Juden seien für das Handeln Israels verantwortlich gemacht worden. Dies könne auch nichtjüdische Menschen treffen: In Freiburg wurde ein Restaurant mit israelischen Spezialitäten mit rohen Eiern beworfen – der Betreiber ist weder Jude noch Israeli.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Die offiziellen Zahlen der Kriminalstatistik zeigen ebenfalls einen Anstieg: 2023 erfasste die Polizei 668 antisemitische Straftaten im Südwesten, das Innenministerium führte dies auf die Ereignisse nach dem 7. Oktober 2023 zurück. Zum Vergleich: 2017 waren es lediglich 99 Fälle. Im Jahr 2025 sank die Zahl leicht auf 575 Straftaten.

Alltag von Juden geprägt von Anfeindungen

Die meisten Anfeindungen und Übergriffe erlebten Jüdinnen und Juden im Alltag, die überwiegende Mehrheit der erfassten Vorfälle ereignete sich auf der Straße. Hinzu kamen Vorfälle im Internet und in Bildungseinrichtungen. „Sichtbarkeit ist für viele Jüdinnen und Juden eine tägliche Abwägung“, sagte Projektleiter Robert Ogman bei der Vorstellung des Berichts.

Barbara Traub, Vorstandsprecherin der israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, sagte: „Die Zahlen belegen, was man seit Jahren schon spürt.“ Man stelle fest, dass sich Gemeindemitglieder immer häufiger zurückzögen. Familien meldeten ihre Kinder aus Angst vor antisemitischen Anfeindungen vom Religionsunterricht ab. Trotz des leichten Rückgangs der polizeilich erfassten Straftaten sei das Bedrohungsgefühl weiter hoch, so Traub.

Vorfälle bei Demonstrationen und an Bildungseinrichtungen

Im Schnitt erfasste Rias mehr als zwei Versammlungen pro Woche mit antisemitischen Vorfällen. Besonders oft geschah dies bei Demonstrationen im Zusammenhang mit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023. So wurden etwa bei einer DGB-Demo zum 1. Mai in Mannheim Raketenangriffe der Huthi-Milizen auf Israel begrüßt. Mannheim ist demnach der Hotspot für antisemitische Vorfälle bei Demonstrationen – etwa ein Drittel der landesweiten Fälle wurde dort registriert.

40 Vorfälle erfasste die Meldestelle an Schulen und Hochschulen. Projektleiter Ogman betonte: „Schulen sind zentrale Orte gesellschaftlicher Teilhabe. Zudem können Schüler, Studierende oder Angestellte antisemitischen Vorfällen dort kaum ausweichen.“ Der Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung, Michael Blume, vermutet, dass vor allem geisteswissenschaftlich ausgerichtete Hochschulen betroffen sind, die von einzelnen Gruppen als Bühne genutzt würden.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration