Kinderfeuerwehren in Niedersachsen boomen: Mitgliederzahl steigt um 2,5 Prozent
Kinderfeuerwehren in Niedersachsen boomen

Die Kinder- und Jugendfeuerwehren in Niedersachsen erleben einen regelrechten Boom. Laut aktuellen Zahlen des Vereins Niedersächsische Kinder- und Jugendfeuerwehr, basierend auf Daten des Innenministeriums, stieg die Mitgliederzahl im vergangenen Jahr um 2,5 Prozent auf fast 54.700 Mädchen und Jungen. Das sind 1.349 Kinder mehr als im Vorjahr. Insgesamt gibt es landesweit 1.246 Kinder- und 1.920 Jugendfeuerwehren.

Mädchenanteil wächst stetig

Besonders erfreulich ist die Entwicklung beim Mädchenanteil: Ende 2025 lag er bei rund 36,5 Prozent – ein kontinuierlicher Anstieg. 2010 betrug der Anteil in den Jugendfeuerwehren noch 27,5 Prozent, die ersten Kinderfeuerwehren wurden erst 2011 gegründet. 2016 kletterte der Anteil auf etwa 32,5 Prozent. „Wir nehmen mit großer Freude wahr, wie echte und nicht konstruierte Gleichberechtigung funktioniert“, sagt Landes-Kinder- und Jugendfeuerwehrwart Matthias Düsterwald. Die Arbeit in den Kinder- und Jugendfeuerwehren sei „beispielgebend“ für andere Feuerwehrabteilungen.

Pädagogischer Auftrag und Teamwork

In der Kinderfeuerwehr Bad Bevensen im Landkreis Uelzen trainieren Kinder von sechs bis zwölf Jahren für bundeseinheitliche Wettkämpfe. Dazu gehören Staffelläufe und das Aufbauen einer Löschaktion. Ortsbrandmeisterin Tatjana Rüger betont: „Wir haben seit zehn Jahren so um die 30 Jugendliche, derzeit sind fünf Mädchen dabei. Wir können uns nicht beklagen, man muss aber auch Präsenz zeigen.“ Die Feuerwehr mache Werbung bei allen Festen in der Gemeinde und sei auf Social Media aktiv.

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Der achtjährige Ben, seit zwei Jahren Mitglied, sagt: „Es macht mir Spaß, weil man etwas Neues lernt über Feuer.“ Die siebenjährige Joud ist begeistert beim Abrollen von Wasserschläuchen dabei. Der 18-jährige Betreuer Fynn ergänzt: „Die Feuerwehr ist für uns das beste Hobby der Welt – es ist eine Lebenseinstellung.“ Ihm gefallen die sportliche Betätigung, die Kameradschaft und die klare Führungsstruktur.

Feuerwehr-AG in der Ganztagsschule

In der KGS Bad Bevensen gibt es eine Feuerwehr-AG, die Diplompädagogin Nina Fromhagen seit Jahren leitet. Drei Fünftklässler üben Löschen, Absperren und Unfallabsicherung mit Kreide auf dem Asphalt. „Die Feuerwehr ist ein Hobby, wo jeder seine Stärke einbringen kann. Das ist der Unterschied zum Fußball, da muss man schon schießen und laufen können“, sagt Fromhagen. Wer den Löschschlauch oder schwere Geräte nicht tragen kann, könne eine Straße sperren oder technisches Know-how einbringen.

Disziplin und Kameradschaft

Ortsbrandmeisterin Rüger betont den großen pädagogischen Auftrag: Wer sich in den Vordergrund spielt oder nur Befehle erteilt, bekommt von den Jugendwarten eine Ansage. Während der Übungen gibt es kein „Bitte“ oder „Danke“ – die Befehle sind knapp und müssen im Ernstfall klappen. Die Kinder lernen diszipliniertes Arbeiten unter Zeitdruck. Gelobt wird erst hinterher.

Der Verein Niedersächsische Kinder- und Jugendfeuerwehr sieht keine Schwierigkeiten, Mädchen zu überzeugen: „Es mag sicher verschiedene Gründe geben, weshalb noch mehr Jungen als Mädchen den Weg in die Kinder- und Jugendfeuerwehren finden. Hier können wir nur vermuten, dass bei Jungs das grundsätzliche Interesse an Technik etwas höher ist als bei Mädchen.“ Vorurteile, Feuerwehr sei nur etwas für Männer, spielten bei Kinder- und Jugendfeuerwehren kaum eine Rolle – „wenn überhaupt noch“.

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