83-Jähriger eröffnet Paketshop gegen Einsamkeit in Wiesenbach
Paketshop mit 83: „Einsamkeit ist nicht mehr da“

Seit März betreibt der 83-jährige Christian Lange eine Paketannahmestelle in Wiesenbach, einem Ort mit rund 3.200 Einwohnern im Rhein-Neckar-Kreis. Wenige Monate zuvor hatte die Postfiliale geschlossen, sodass es im Ort keine Möglichkeit mehr gab, Pakete abzuholen oder abzugeben. Lange fühlte sich zu dieser Zeit einsam, wie er selbst sagt. „Ich habe eine kranke Frau gehabt, die ich pflegen musste, und wodurch ich eigentlich gar nicht mehr in den Ort kam, kaum Kontakte mit der Außenwelt hatte“, erzählt der Senior.

Von der Idee zur Umsetzung

Im Januar entschloss sich der gelernte Kaufmann, einen eigenen Paketshop zu eröffnen. Im Februar bewarb er sich bei diversen Paketdienstleistern, und im März öffnete der Shop. Der Laden befindet sich auf dem Grundstück der Familie. Zusätzlich zu den Paketen verkauft Lange griechische Feinkost – gefüllte Weinblätter, Schafskäse und Ouzo –, da er früher jahrelang beruflich nach Griechenland flog. Die Pakete lagern in der kleinen Halle nebenan, in der er früher mit seiner Frau Bilderrahmen herstellte.

Reaktionen aus der Gemeinde

Langes Nachbarin Linda Schäfer, eine 34-jährige Medizinische Technologin für Radiologie am Universitätsklinikum Heidelberg, nutzt den Shop etwa einmal pro Woche. „Wenn ich weiß, ich bin nicht da und ich erwarte ein Paket, dann lasse ich das auch bewusst hierher liefern, dass ich es dann einfach abholen kann, wenn es mir passt“, sagt sie. Ohne Langes Angebot müsste sie in umliegende Orte fahren. „Das ist für die Wiesenbacher eine sehr gute Sache, dass jetzt hier im Ort alles an einem Platz ist.“ Auch die Gemeindeverwaltung lobt die Initiative; der Bürgermeister gratulierte Lange am Eröffnungstag.

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Verträge mit Paketdiensten

Lange hat Verträge mit DPD, GLS, Hermes und UPS, wie die Unternehmen bestätigen. Ein Sprecher von DPD betont, dass ein Betreiber in Langes Alter besonders sei: „Es gibt ein paar ältere Partner, aber das sind sehr, sehr wenige.“ Der Altersdurchschnitt bei den knapp 10.000 Pickup-Paketshops von DPD in Deutschland liege bei Anfang 40. Lange hatte sich auch bei DHL beworben, aber nie eine Antwort erhalten. Auf Nachfrage teilt DHL mit, man werde sich zeitnah melden, sei aber generell an einer „langfristigen Perspektive für eine gute Kooperation“ interessiert.

Finanzieller Aufwand und persönlicher Gewinn

Aus finanziellen Gründen führt Lange den Shop nicht. „Der Paketshop lohnt sich nicht“, sagt er. Pro Paket erhalte er einen Cent-Betrag. „Wenn ich nicht meine Rente hätte und das hier nicht im Eigentum wäre, könnte ich gar nicht davon existieren.“ Trotzdem schätzt er den Kontakt zu den Kunden. Etwa 10 bis 20 Kunden kommen täglich. Die Eingangstür ist zu, wer kommt, klingelt. Lange hat ein eigenes System entwickelt: Er schreibt die Hausnummern groß auf die Pakete, um den Überblick zu behalten. Die Pakete sind nach Dienstleistern und Hausnummern sortiert.

Einsamkeit überwunden

Langes Frau starb Mitte Mai nach 61 Jahren Ehe. Porträts von ihr stehen im Wohnzimmer, dazu Fotos der Familie. „Ich bin heilfroh heute, dass ich den Paketshop gemacht habe, denn die Einsamkeit ist nicht mehr da“, sagt Lange. Der Laden und der Kontakt zu anderen lenken ihn ab. „Ich komme ins Gespräch, indem ich sie anspreche“, erklärt er. Die meisten Kunden kommen aus den umliegenden Orten, manche auch aus 50 Kilometern Entfernung auf dem Weg zur Arbeit.

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