Im Jahr 2027 startet in Thüringen eine Testphase für multifunktionale Dorfzentren. In ausgewählten Pilotdörfern werden dann neue Angebote wie Behördenterminals, Räume für Telemedizin oder Paketstationen erprobt. Das kündigte Thüringens Landwirtschaftsministerin Colette Boos-John (CDU) nach ihrer Sommertour durch ländliche Regionen in Erfurt an. Ziel sei es, die Dörfer im Freistaat lebenswerter für Familien und ältere Menschen zu machen und die Dorfzentren als Treffpunkte zu beleben.
Strategie für Dorfzentren bis Jahresende
Unter dem Motto „Dorf der Zukunft“ wird bis Ende 2026 eine Strategie zur Entwicklung von Dorfzentren erarbeitet. Diese soll 2027 in die Testphase gehen und ab 2028 landesweit umgesetzt werden. Die Ministerin betonte, dass nicht jedes Dorf das gleiche Modell erhalte: „Nicht jedes Dorf braucht alles. Gesucht werden am Bedarf orientierte Lösungen, keine Lösungen von der Stange.“
Baukastensystem für flexible Angebote
Vorgesehen ist ein Baukastensystem mit möglichen Angeboten, darunter Paket- und Abholstationen, kleine Büros, Dorf-Cafés, Carsharing und Nahversorgung. Auch Gesundheitsangebote, Mobilitätslösungen, soziale Treffpunkte und Beratungsdienste sollen integriert werden. Boos-John erklärte: „Multifunktionale Dorfzentren wollen wir künftig gezielt unterstützen.“ Die genaue Zahl der Pilotdörfer steht noch nicht fest. „Es dürften mehr als drei und weniger als zehn werden“, so die Ministerin. Wichtig sei eine Verteilung über alle Thüringer Regionen und die Einbeziehung unterschiedlich großer Dörfer.
60 Millionen Euro für ländliche Entwicklung
Teil des Konzepts ist der Einsatz von Prozessbegleitern. Sie sollen Kommunen, Vereine und Initiativen langfristig unterstützen – bei der Bedarfsermittlung, der Partnerfindung, der Erschließung von Fördermöglichkeiten und der Projektentwicklung. Die Akademie Ländlicher Raum im Landwirtschaftsministerium wird diese Begleiter qualifizieren. Thüringen verfügt jährlich über rund 60 Millionen Euro von EU, Bund und Land für die Entwicklung ländlicher Regionen. Boos-John betonte, es gehe nicht um neue Förderprogramme, sondern um eine bessere Nutzung und Abstimmung vorhandener Mittel sowie um einen leichteren Zugang: „Nichts ist frustrierender, als wenn Prozesse zu lange dauern.“



