Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) hat für die Badestellen Breitehorn und Radfahrerwiese an der Havel Warnhinweise herausgegeben. Grund dafür ist eine Blaualgenmassenentwicklung, die das Badegewässer trübt. Nach Auskunft der Behörde ist die Sichttiefe an diesen Stellen so gering, dass eine Wasserrettung möglicherweise erschwert wird.
Betroffen sind zwei der insgesamt 39 offiziellen Badestellen, die das Lageso während der Badesaison regelmäßig kontrolliert. Während für diese beiden Orte besondere Vorsicht gilt, sind alle übrigen Stellen in der Hauptstadt nach wie vor für den Badebetrieb freigegeben. Auch der "Tagesspiegel" hatte zuerst über die aktuellen Warnhinweise berichtet.
Blaualgen als Sicht- und Rettungsproblem
Bei Blaualgen handelt es sich nicht um echte Algen, sondern um Cyanobakterien, die sich insbesondere in warmen, nährstoffreichen Gewässern stark ausbreiten können. Eine solche Massenentwicklung färbt das Wasser grünlich oder blaugrün und kann an der Oberfläche Schlieren oder eine artige Schicht bilden. Unter Wasser nimmt die Sichtweite drastisch ab. Für die Wasserrettung kann das ernste Konsequenzen haben: Wenn die Einsatzkräfte einen Badegast nicht mehr sehen, kann ein Notfall möglicherweise zu spät erkannt werden. Das Lageso weist in seiner Bewertung ausdrücklich auf diese Gefahr hin und begründet damit die Warnstufe.
Trotz des Namens sind Blaualgen keine Algen im botanischen Sinn. Sie zählen zu den Cyanobakterien, die schon seit Milliarden von Jahren auf der Erde existieren. In Gewässern mit hohem Nährstoffgehalt, etwa durch Landwirtschaft oder Abwässer, können sie sich explosionsartig vermehren. Hitze und Sonnenlicht verstärken diesen Effekt zusätzlich.
So werden die Berliner Badestellen überwacht
Wie die Behörde mitteilt, basiert die Einstufung der Wasserqualität auf regelmäßigen mikrobiologischen Untersuchungen. Dabei wird insbesondere auf Indikatorbakterien wie Escherichia coli und Enterokokken geachtet. Diese Keime gelten als Hinweis auf mögliche Verunreinigungen, beispielsweise durch Abwässer oder Fäkalien. In der Badesaison werden alle 39 Badestellen in Berlin wiederholt beprobt. Die Ergebnisse fließen in eine Übersichtskarte ein, auf der die Gewässer als geeignet oder ungeeignet zum Baden markiert sind.
Für die beiden betroffenen Stellen an der Havel gibt es außerdem Zusatzuntersuchungen. Auf Empfehlung des Umweltbundesamtes werden die Wasserproben jetzt auch auf Blaualgen-Toxine analysiert. Diese Giftstoffe können von den Cyanobakterien produziert werden und bei Menschen und Tieren zu Reizungen oder gesundheitlichen Beschwerden führen. Ein genaues Ergebnis dieser Zusatztests lag zum Zeitpunkt der Warnung noch nicht vor; bis dahin gilt die Vorsichtsmaßnahme.
Die Zusatzuntersuchungen auf Toxine sind eine Vorsichtsmaßnahme, um gesundheitliche Risiken für Badende zu minimieren. Das Umweltbundesamt empfiehlt diese Analysen, sobald eine Blaualgenmassenentwicklung festgestellt wurde. Auch wenn eine akute Gefahr nicht in jedem Fall besteht, sollen die Messungen Klarheit schaffen.
Warum die Wasserqualität stark schwanken kann
Die Wasserbeschaffenheit eines Badesees ist keine konstante Größe. Nach starken Regenfällen kann es zu einem erhöhten Eintrag von Nähr- und Schadstoffen kommen. Gleichzeitig fördern hohe Temperaturen das Wachstum von Blaualgen. Das Lageso weist darauf hin, dass mit steigenden Wassertemperaturen und bei gutem Lichtangebot die Algenproduktion zunimmt. Genau diese Bedingungen herrschen derzeit vielerorts – die Folge sind die auffälligen Veränderungen an den beiden Havelfolgen.
Wichtig für Badegäste: Die Warnung gilt nicht für die gesamte Havel oder alle weiteren Gewässer. In der aktuellen Übersicht des Lageso sind alle anderen Berliner Badestellen weiterhin grün markiert, sie gelten also als uneingeschränkt zum Baden geeignet. Die Einschränkung bezieht sich allein auf die beiden genannten Stellen.
Das sollten Badegäste jetzt beachten
Wer sich an Breitehorn oder Radfahrerwiese aufhält, sollte die Warnhinweise der Behörde ernst nehmen. Grundsätzlich empfiehlt es sich, vor dem Baden einen Blick auf die offizielle Wasserqualitätskarte zu werfen. So lässt sich leicht feststellen, ob an einem bestimmten Strandbereich eine Warnung vorliegt. Vor allem mit Kindern und Hunden sollte man Bereiche mit sichtbaren Algenansammlungen meiden. Im Wasser selbst sollten Badegäste auf ihre Sicherheit achten, da die verminderte Sicht auch die Aufmerksamkeit der Rettungskräfte beeinträchtigen kann.
Das Lageso bittet die Bevölkerung, die Hinweise ernst zu nehmen und die Entwicklung der Wasserqualität zu verfolgen. Weitere Informationen bietet die Behörde auf ihrer Website an, wo die aktuelle Badegewässerkarte abrufbar ist.
Zunächst hatte der "Tagesspiegel" über die aktuellen Warnhinweise an den beiden Berliner Badestellen berichtet. Die Informationen des Lageso und der Zusatzuntersuchungen bleiben abzuwarten; bis auf Weiteres bleibt die Lage an diesen beiden Stellen kritisch.



