Nach der Freilassung eines Buckelwals in der Ostsee wachsen die Zweifel an den Angaben der privaten Rettungsinitiative. Der am Tier befestigte Sender soll laut Initiative keine Ortsdaten, aber Vitalzeichen übermitteln. Experten halten dies für technisch unmöglich.
Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) erklärte, ein GPS- oder Satellitentracker liefere üblicherweise keine Vitalzeichen im medizinischen Sinne. Echte Vitalparameter würden spezielle Sensorik voraussetzen. Der dänische Meeresbiologe Peter Madsen von der Universität Aarhus betonte: „Es gibt keinen handelsüblichen GPS-Sender, der Vitaldaten des Wals liefern kann – wer das behauptet, sagt nicht die Wahrheit.“
Die Initiative, das Whale Sanctuary Project und das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns teilten auf Anfrage nicht mit, welcher Sendertyp verwendet wurde. Dem Ministerium lägen noch keine Daten vor. Die Kleintierärztin Kirsten Tönnies von der Privatinitiative gab an, der Tracker sei am Tier festgeschraubt worden. Meeresbiologe Boris Culik erklärte, ein so befestigter Tracker könne keine Vitaldaten wie Herz- und Atemfrequenz ermitteln.
Zudem wurde der Tracker vor dem Freisetzen nicht getestet. Das ITAW bezeichnete eine Funktionsprüfung vor dem Einsatz als üblich und zu erwarten. Madsen nannte es „ziemlich amateurhaft“, den Sender nicht zu testen. Walforscher Fabian Ritter sprach von möglicher Fahrlässigkeit, falls der Sender keine Daten liefere.
Die Informationen zum Wal sollen nur Teammitgliedern und dem Umweltministerium zur Verfügung stehen. Meeresbiologe Madsen kritisierte dies als „sehr seltsam und unprofessionell“. Ohne Daten lasse sich das Schicksal des Wals nicht klären, und die gesamte Aktion könnte umsonst gewesen sein.
Der Buckelwal war am Samstagmorgen ins Meer gesetzt worden. Sein Zustand und Aufenthaltsort sind unbekannt. Experten schätzen seine langfristigen Überlebenschancen als sehr gering ein.



