Berlin CSD-Angriff: Eine Tote, 29 Verletzte – Ermittler sehen Terror
CSD-Angriff in Berlin: Tote und Verletzte, Motiv Terror

Nach dem Angriff eines Autofahrers am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin gehen die Sicherheitsbehörden von einem islamistischen Terroranschlag aus. Eine Frau wurde getötet, 29 Menschen erlitten Verletzungen, wie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) mitteilte. Die Bundesanwaltschaft soll die Ermittlungen übernehmen, kündigte Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) an. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete die Tat als „Gift des Terrorismus“ und forderte die Bevölkerung auf, sich nicht einschüchtern zu lassen. Der mutmaßliche Täter, der 21-jährige Abdul B., ist weiterhin flüchtig. Die Polizei fahndet mit einem Foto nach ihm und warnt: „Sprechen Sie ihn nicht an, er ist möglicherweise bewaffnet und gefährlich!“

Angriff am Abend: Van fährt in Menschenmenge

Der Täter steuerte seinen weißen Transporter gegen 22.00 Uhr am Ahornsteig, einem Parkweg nahe der Lennéstraße, in die Menschenmenge. Nachdem das Fahrzeug einen Baum gerammt hatte, attackierte er Passanten mit einer Stichwaffe, mutmaßlich einer Machete, und verletzte mehrere schwer, so Dobrindt. Die Polizei nahm mehrere Menschen in Gewahrsam, schloss jedoch nicht aus, dass es weitere Tatverdächtige geben könnte. Die CSD-Veranstalter sagten zwei für Sonntag geplante Events ab. Der Bundesopferbeauftragte Roland Weber bot Betreuung für Opfer und Angehörige an.

Merz: „Lassen wir uns nicht einschüchtern“

Kanzler Merz nahm gemeinsam mit Justizministerin Hubig und Bildungsministerin Karin Prien (CDU) an einer Andacht in der St. Marienkirche teil. Vor der Kirche sagte er: „Diese Taten haben nur einen Zweck: Sie wollen unsere Gesellschaft spalten, sie wollen uns das Wichtigste nehmen, was wir haben, nämlich unsere Offenheit und unsere Freiheit.“ Er richtete sich direkt an die Teilnehmer des CSD: „Lassen Sie sich, lassen wir uns nicht einschüchtern. Diese Straftäter und Extremisten haben keinen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft. Wir sind mehr, wir sind stärker.“ Zugleich kündigte Merz Beratungen in der Regierung über Konsequenzen an.

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Täter war polizeibekannt und radikalisiert

Laut Dobrindt hat sich der 21-Jährige radikalisiert und gehört der islamistischen Szene an. Er sei bereits in der Vergangenheit „auffällig“ geworden und zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft habe dagegen Beschwerde eingelegt. Der in Deutschland geborene Deutsche mit libanesischem Hintergrund sei im Mai 2026 aus dem Jugendarrest entlassen worden. Medienberichten zufolge sympathisierte Abdul B. mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und versuchte, sich in Syrien dem IS anzuschließen. Er galt als Gefährder und sollte am Montag an einem Deradikalisierungskurs teilnehmen, wie die „Bild“ berichtete.

Wegner verteidigt Sicherheitsmaßnahmen – Dobrindt fordert Prüfung

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) lobte die Sicherheitsvorkehrungen beim CSD als „sehr gut“. „Die Strecke des CSD wurde nicht getroffen. Dort ist der Täter nicht draufgekommen, weil die Polizei den CSD abgesichert hat“, sagte Wegner am Tatort. Dennoch rief Dobrindt Veranstalter von Großveranstaltungen und CSDs auf, ihre Sicherheitskonzepte zu überprüfen. Der Terrorismusexperte Felix Neumann von der Konrad-Adenauer-Stiftung betonte, dass eine hundertprozentige Sicherheit nicht möglich sei, der Staat aber viele Maßnahmen ergreifen könne.

Debatte über Konsequenzen

Der CDU-Innenpolitiker Günter Krings forderte in der „Rheinischen Post“ ein härteres Strafmaß für islamistische Attentäter und strengere Regeln bei der Einbürgerung. Alexander Throm (CDU) verlangte im „Tagesspiegel“, dass alle in Arbeit befindlichen Sicherheitsgesetze unmittelbar nach der Sommerpause verabschiedet werden müssten. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte sich „erschüttert und entsetzt“ und bezeichnete die Tat als „Angriff auf unsere offene Gesellschaft“. Die Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch (SPD), rief zu mehr Zusammenhalt auf: „Wenn die Feinde unserer Freiheit Hass und Gewalt säen, werden sie keine Angst ernten, sondern mehr Zusammenhalt, mehr Vielfalt und mehr Sichtbarkeit.“

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