Die Unterhaltungskünstler Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf stehen im Verdacht, in ihren Sendungen systematisch Schauspieler einzusetzen, obwohl die Ereignisse als spontan und echt dargestellt werden. Das ergaben Recherchen des NDR-Formats STRG_F, das für funk produziert wird. In mehreren Fällen konnten gecastete Laiendarsteller nachgewiesen werden, und angeblich überraschende Ereignisse erwiesen sich als inszeniert.
Ein Beispiel: In der Sendung „Late Night Berlin“ wurde im September 2023 ein Einspielfilm gezeigt, in dem Klaas einen Fahrraddieb auf frischer Tat ertappt haben soll. Der angebliche Dieb wurde von der Redaktion anonymisiert, doch Recherchen zeigen, dass es sich um einen Laiendarsteller handelte. Zeugenaussagen und ein Video der Dreharbeiten belegen, dass der Mann mehrfach am Tatort auftrat. Die Polizei Berlin leitete wegen des Verdachts auf versuchten schweren Diebstahl ein Ermittlungsverfahren ein.
In der Sendung „Duell um die Welt“ wurde behauptet, der Schauspieler Edin Hasanovic habe einen Heißluftballon alleine gefahren und gelandet. Das Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt stellte klar, dass zu keiner Zeit ein Pilot fehlte. „Es war Fake“, sagte Urs Holderegger von der Behörde. Auch ein angebliches Tinderdate in „Late Night Berlin“ entpuppte sich als inszeniert: Die junge Frau ist Schauspielerin und führte die Episode in ihrer Vita auf. Zeugen berichten, dass Szenen mehrfach gedreht wurden.
Bereits früher gab es Schummelvorwürfe bei einem Einspielfilm mit Sophia Thomalla in „Duell um die Welt“. Neue Belege zeigen, dass eine angebliche Autofahrt von Nizza nach Budapest nie stattfand; die Termine lagen Wochen auseinander. In allen Fällen basiert der Reiz für die Zuschauer auf der Echtheit der Ereignisse, ohne dass erkennbar ist, was echt ist.
Die Moderatoren und der Sender ProSieben wollten sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Die Produktionsfirma Florida TV räumte die Vorwürfe im Kern ein. Zum Fahrraddiebstahl hieß es, der „komödiantische Aspekt“ hätte deutlicher gemacht werden müssen. Zum Heißluftballon erklärten sie, dass niemand in Lebensgefahr geraten sei. Zum Tinderdate hieß es, die Frau habe „offenbar ähnlich viel Spaß daran gehabt“. Zu Thomalla verwiesen sie auf das Ziel, Zuschauer nicht zu langweilen.



