Herrenhaus Üselitz auf Rügen: Vom Verfall zum Luxusjuwel
Herrenhaus Üselitz auf Rügen: Vom Verfall zum Luxusjuwel

Nach Jahrzehnten des Verfalls erhebt sich das Herrenhaus Üselitz im Süden Rügens wieder aus den Ruinen. Das Wahrzeichen pommerscher Renaissancearchitektur beherbergt heute stilvolle Ferienwohnungen und dient als Veranstaltungsort für Hochzeiten und Feste. Umgeben von der renaturierten Üselitzer Wiek, einem Paradies für Vogelbeobachter und Ruhesuchende, ist kaum zu glauben, dass hier vor wenigen Jahrzehnten nur noch Mauerreste standen, die von Polizei und Kampfgruppen als Übungsobjekt missbraucht wurden.

Die Geschichte Üselitz’ reicht bis ins Mittelalter zurück. Erstmals 1311 urkundlich erwähnt, gelangte das Gut um 1562 in den Besitz von Erich von Zuhm. Kurz darauf begann der Bau des repräsentativen Herrenhauses im Stil der Renaissance – mit prunkvollen Giebeln, einem Torhaus und dem Wappen der Familie über den Eingängen. Doch der Glanz währte nicht lange; die Besitzer hatten sich durch das Schloss ruiniert. Mehrere Besitzerwechsel prägten die nächsten Jahrhunderte, bis die Familie von Langen das Gut 1706 übernahm und bis 1939 besaß.

Friedrich Freiherr von Langen, ansässig auf dem Familiengut Parow, gilt als prominentester Vertreter dieses Geschlechts. Der passionierte Reiter gewann 1928 bei den Olympischen Spielen in Amsterdam als erster Deutscher Gold im Spring- und Dressurreiten. Nach dem Tod der letzten Familiengeneration ging das Gut 1939 in andere Hände über; letzter Besitzer war Burghard von Veltheim, bevor das Anwesen 1945 im Zuge der Bodenreform enteignet wurde.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Herrenhaus Zufluchtsort für Dutzende Familien. In den 1950er Jahren lebten hier bis zu neunzig Menschen. Doch der Verfall ließ sich nicht aufhalten: 1968 zogen die letzten Bewohner aus, 1970 brach das Dach ein – der Beginn einer langen Zeit der Verwüstung. Trotz Denkmalschutz ab 1975 hinterließ die Nutzung als Übungsgelände tiefe Spuren; nur die Außenmauern blieben stehen.

Erst Ende der 1990er-Jahre begann ein neues Kapitel. Nach dem Verkauf an einen privaten Investor 1998 starteten erste Sicherungsarbeiten. Mit Unterstützung des Landesamtes für Denkmalpflege, der Gemeinde Poseritz und zahlreicher Förderprogramme entstand Schritt für Schritt aus den Trümmern ein architektonisches Juwel. Auch die Landschaft wurde neu gestaltet: Im Zuge der Renaturierung der Üselitzer Wiek, die 2011 erneut geflutet wurde, entstand ein einzigartiges Biotop, das heute Rastplatz für Kraniche, Enten und Reiher ist.

2018 wurde der Wiederaufbau abgeschlossen. Das Herrenhaus Üselitz vereint heute Geschichte, Architektur und Natur in perfekter Harmonie. In den oberen Etagen befinden sich mehrere Ferienwohnungen, das Erdgeschoss und der Gutspark sind Veranstaltungsorte für Konzerte, Feiern und stilvolle Events. Gäste erleben eine außergewöhnliche Ruhe, umgeben von Wasser, alten Obstbäumen und dem besonderen Licht der Rügener Südspitze.

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