In Europas Gebirgen sind in diesem Winter so viele Menschen durch Lawinen ums Leben gekommen wie seit Jahren nicht mehr. Nach einer offiziellen Statistik starben in den Alpen und in anderen europäischen Gebirgen seit Anfang Oktober mindestens 135 Menschen, weil sie unter Schneemassen verschüttet waren.
Zum Vergleich: Im vorigen Winter 2024/25 gab es in Europa insgesamt 70 Lawinentote. Diese Saison waren es also fast doppelt so viele. Zuletzt wurden 2017/18 noch mehr Todesopfer gezählt: insgesamt 147. Die Statistik stammt von den European Avalanche Warning Services (EAWS), einem Zusammenschluss der nationalen Lawinenwarndienste verschiedener Länder.
Besonders schwer betroffen war in diesem Winter Italien, wo insgesamt 38 Lawinentote gezählt wurden. Viele Fälle gab es in Südtirol, das auch bei deutschen Alpinsportlern sehr beliebt ist. Dort ereignete sich auch das schlimmste Unglück: Beim Aufstieg zur 3.545 Meter hohen Vertainspitze im Ortler-Gebirge wurden Anfang November fünf Bergsteiger aus Bayern von Schneemassen mitgerissen und getötet.
In Frankreich starben der Statistik zufolge in den vergangenen Monaten 31 Menschen durch Lawinen, in Österreich 30 und in der Schweiz 15. In Deutschlands Gebirgen gab es diesen Zahlen zufolge keine Todesopfer. Berücksichtigt wurden auch Unglücke, die sich außerhalb der Alpen ereigneten: zum Beispiel im Apennin in Italien oder weiter östlich in Europa in den Karpaten.
In den meisten europäischen Skigebieten ist die Saison nach dem Osterwochenende vorbei. In höheren Lagen und auf Gletschern ist Skifahren aber oft noch bis Anfang Mai möglich. Einige Gletschergebiete ermöglichen Abfahrten auch im Sommer. Auch an Ostern gab es mehrere Unglücke. So wurde an der 3059 Meter hohen Grabspitze in Südtirol ein 37 Jahre alter Tourengeher erfasst. Der Mann war eineinhalb Meter tief unter Schnee begraben. Dank seines Ortungssenders wurde er verhältnismäßig schnell nach oben gebracht. Trotzdem musste er in kritischem Zustand ins Krankenhaus geflogen werden.
Bergwacht, Alpenvereine und andere Experten empfehlen dringend, bei Touren in hochalpinem Gelände Schaufel, Sonde und ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät) mit sich zu führen. Dies kann lebensrettend sein: Wenn eine Lawine zum Stillstand kommt, sind fast alle Verschütteten noch am Leben. Alles Weitere hängt dann davon ab, wie schnell man gefunden wird: Nach 10 Minuten werden einer Studie zufolge 90 Prozent noch lebend gerettet. Danach nimmt die Zahl rapide ab.



