Lübeck: Alles-Blitzer spült 60.500 Euro in die Stadtkasse
Lübeck: Alles-Blitzer spült 60.500 Euro in die Stadtkasse

Lübeck – Der umstrittene „Alles-Blitzer“ in Lübeck hat zwischen dem 11. und 30. Dezember 2025 insgesamt 60.500 Euro eingebracht. Die Radarfalle, die offiziell zur Überwachung des Zufahrtsverbots zu den Weihnachtsmärkten aufgestellt wurde, löste bei Autos, Motorrädern, Radfahrern und sogar Fußgängern aus. Insgesamt wurden 1210 Auto- und Motorradfahrer geblitzt, von denen jeder 50 Euro zahlen soll.

Besonders bemerkenswert: 634 der geblitzten Fahrzeuge hatten ein Lübecker Kennzeichen, und 60 Fahrzeuge wurden mehrfach erfasst – ein Auto sogar zehnmal. An zwei Tagen war der Blitzer außer Betrieb, weil das Ordnungsamt vergessen hatte, den Akku aufzuladen.

Verkehrsrechtsexperte Arndt Kempgens äußerte Zweifel an der Wirksamkeit der Maßnahme: „Durchschnittlich rund 65 Verstöße pro Tag – das kann ein Hinweis auf missverständliche oder schlecht sichtbare Beschilderung sein.“ Er empfahl der Stadt, großzügig von Verfahrenseinstellungen Gebrauch zu machen, wie es § 47 Abs. 2 OWiG vorsehe.

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Betroffene wie Autofahrerin Siegrid (44) kritisieren die mangelnde Klarheit: „Ich wollte nur einen Brief abgeben. Wenn ich da nicht reinfahren soll, hätte man eine klar erkennbare Sperre aufstellen können.“ Die Stadt verteidigt die Maßnahme: Senatorin Monika Frank betont, der Schutz der Weihnachtsmarktbesucher habe oberste Priorität, und eine tägliche personelle Kontrolle sei nicht möglich gewesen.

Die Bilder von Fußgängern und Radfahrern seien gelöscht worden, versichert die Stadt. ADAC-Sprecher Rainer Pregla kritisiert jedoch die anlasslose Erfassung: „Für eine solche Dokumentation außerhalb des motorisierten Verkehrs fehlt in Schleswig-Holstein eine Rechtsgrundlage.“ Der Fall beschäftigt daher auch die Datenschutzbeauftragte des Landes.

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