In der Diskussion um hohe Mieten in Frankfurt entzündet sich eine grundsätzliche Debatte über Eigenverantwortung und strukturelle Benachteiligung. Ein Kommentator argumentiert, er habe vor der Familiengründung ein Haus gebaut und sieht Eigeninitiative als Schlüssel. Andere Nutzer weisen darauf hin, dass der ursprüngliche Artikel sich auf kinderlose Azubis und Studenten sowie Geringverdiener bezog – Gruppen, für die der Hausbau oft unerreichbar sei.
Ein weiterer Kommentar hinterfragt die Realität junger Frauen, die ungewollt schwanger werden und ohne Partner dastehen. Der Nutzer betont, dass nicht jeder ein Haus bauen könne oder wolle, und verweist auf die Bevölkerungsentwicklung: Hätten nur Hausbesitzer Kinder, wäre Deutschland heute deutlich dünner besiedelt. Ein anderer Nutzer berichtet von seiner eigenen Kindheit in einer Mietwohnung des Großvaters; seine Eltern bauten erst, als er zwölf war.
Die Diskussion zeigt auch generationelle Unterschiede auf. Ein Nutzer, geboren 1965, wuchs in einer Eigentumswohnung in Köln-Kalk auf, die seine Eltern mit Hilfe des Lastenausgleichs und des Wohnungsbauprogramms der 1960er Jahre erwerben konnten. Heute lebt er selbst in einer Eigentumswohnung aus den 1960/70er Jahren und stellt fest, dass er sich Mietwohnen heute nicht mehr leisten könnte.
Kritik äußert ein Nutzer an der Privilegienblindheit: Der Kommentator, der auf Eigeninitiative pocht, sei ein weißer, gebildeter Mann ohne Behinderung – seine Lebensführung sei weniger auf Eigeninitiative als auf eine privilegierte Ausgangsposition zurückzuführen. Ein anderer Nutzer kontert ironisch, dass man ihm offenbar vorwerfe, nicht behindert oder farbig zu sein.
Abschließend wird auf das seit Jahrzehnten bestehende Wohnungsamt der Stadt Frankfurt verwiesen. Trotz Mietspiegel und Zuschlägen seien die realen Mieten stark gestiegen – etwa durch Sanierungen von Balkonen auf über einen Meter Tiefe, die bei niedrigen Bankzinsen lohnende Investitionen waren. Das Wohnungsamt habe daran wenig ändern können.



