Am 16. April 1945, einem kalten Abend mit sechs Grad Lufttemperatur und drei Grad Wassertemperatur, war der Frachter „Goya“ in der Ostsee unterwegs. An Bord befanden sich über 7000 Menschen, darunter Soldaten, Verwundete und Zivilisten, die auf der Flucht vor der Roten Armee waren. Die meisten waren wochenlang aus Ostpreußen, Schlesien oder Ostpommern geflohen und hatten in Hela einen Platz auf dem Schiff ergattert. Sie glaubten, endlich in Sicherheit zu sein, da die „Goya“ mit 18 Seemeilen Höchstgeschwindigkeit schneller war als alle U-Boote.
Bereits am Morgen des 16. April begannen Luftangriffe auf Hela. Bei einem ersten Angriff um 7:05 Uhr gab es zahlreiche Tote und Verwundete, die „Goya“ blieb weitgehend unbeschädigt. Ein zweiter Angriff anderthalb Stunden später traf das Schiff schwerer: Eine Bombe durchschlug das Oberdeck und zerstörte die Minen-Eigenschutz-Anlage sowie das U-Boot-Ortungsgerät. Dadurch wurde die „Goya“ auf langsamere Begleitschiffe angewiesen. Ein dritter Angriff am frühen Nachmittag verursachte keine weiteren Schäden.
Den ganzen Tag über wurden Flüchtlinge mit kleinen Schiffen an Bord gebracht. Ursprünglich sollten 6000 Passagiere aufgenommen werden, am Ende waren es mehr als 7000. Es wurden keine Listen geführt, die genaue Zahl ist unbekannt. Das Schiff war überfüllt: Rund tausend Menschen blieben an Deck, während die Laderäume unter Deck mit Menschen vollgestopft waren. Es gab kaum Toiletten, keine medizinische Versorgung und nur wenige behelfsmäßige Stiegen. Rettungswesten reichten nur für die Hälfte der Menschen, Rettungsboote für wenige hundert.
Um 19 Uhr setzte sich der Geleitzug in Bewegung, bestehend aus der „Goya“, der „Kronenfels“, der „Mercator“ und dem Wassertanker „Ägier“. Insgesamt waren über 15.000 Menschen an Bord, gesichert von zwei Minensuchbooten. Die „Kronenfels“ bremste den Verband auf neun Meilen pro Stunde. Ohne Beleuchtung fuhren die Schiffe gen Westen. Um 22:30 Uhr musste der Verband wegen eines Maschinenschadens der „Kronenfels“ stoppen. Nach 20 Minuten ging die Fahrt weiter.
Kapitän Plünnecke und seine Mannschaft waren sich der Gefahr bewusst: Sollte der „Goya“ etwas zustoßen, wären die Menschen an Bord verloren, da die anderen Schiffe ebenfalls überfüllt waren und kaum Schiffbrüchige aufnehmen konnten. Die Tragödie nahm ihren Lauf, als das Schiff in der Nacht zum 17. April 1945 von einem sowjetischen U-Boot torpediert wurde und innerhalb weniger Minuten sank. Nur etwa 180 Menschen überlebten, die „Goya“ wurde zum Massengrab für über 7000 Menschen.



