Am späten Samstagabend endete die friedliche Feier zum Christopher Street Day (CSD) in Berlin in einer Tragödie. Ein weißer Van fuhr in den Tiergarten, nahe dem Potsdamer Platz, und rammte eine Gruppe von Menschen. Eine Frau erlag noch am Ort ihren Verletzungen, mehrere weitere Personen wurden schwer verletzt. Die Polizei bestätigte, dass es sich nicht um einen Unfall handelte, sondern um einen gezielten Anschlag. Der mutmaßliche Täter, ein 21-jähriger Mann namens Abdul B., der der islamistischen Szene zugerechnet wird, konnte in der Dunkelheit entkommen.
Schock und Trauer am Tatort
Noch in der Nacht versammelten sich Menschen am Rande des abgesperrten Tiergartens, legten Blumen nieder und weinten. Ein handbeschriebener Zettel an einem Polizeigitter trug die Aufschrift: „Wir müssen zusammenhalten. Gemeinsam sind wir stärker als der Hass und die Gewalt.“ Eine junge Frau, Antonia, die weiße Blumen ablegte, sagte unter Tränen: „Ich war nur eine Ecke weiter. Ich habe die ganzen Krankenwagen gesehen, die hier angekommen sind. Meine Freunde waren alle hier dabei. Es hätte jeden treffen können.“
Hunderttausende Menschen hatten den Samstag über beim CSD gefeiert, über 80 Musik-Trucks waren in Richtung Brandenburger Tor unterwegs. Gegen 22 Uhr heulten plötzlich Sirenen auf, Rettungswagen und Polizeiautos strömten zum südlichen Parkrand. Die Veranstalter brachen die Feier ab und riefen zur Evakuierung auf. Im Tiergarten sperrte die Polizei einen großen Bereich ab, wo der Van gegen einen Baum geprallt war.
Ermittlungen und Fahndung
Noch in der Nacht stürmte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) eine Wohnung in Berlin-Schöneberg, fand jedoch den Verdächtigen nicht vor. „Es war niemand da“, sagte Polizeisprecher Florian Nath. Am Sonntag veröffentlichte die Polizei ein Foto des gesuchten Mannes: ein großer junger Mann mit schwarzen Locken und einem dünnen Bart. Die Ermittler fragen sich, wie der Täter trotz der zahlreichen Poller in den abgesperrten Park gelangen konnte. „Wir fragen uns die ganze Zeit, wie der da durchgekommen ist“, so Nath.
Ein Polizeihubschrauber kreiste über dem Park, suchte mit Wärmebildkameras nach dem Täter – vergeblich. Die Polizei schließt nicht aus, dass es einen zweiten Täter gab. Das Landeskriminalamt identifizierte Abdul B. als polizeibekannt und der islamistischen Szene zugehörig.
Reaktionen aus Politik und Gesellschaft
Bundeskanzler Friedrich Merz ließ sich in eine Lagebesprechung des Innenministeriums zuschalten. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete die Tat als „Angriff auf unsere offene Gesellschaft, auf unsere Art zu leben und zusammenzuleben“. Der Verband LSVD+, der die Interessen queerer Menschen vertritt, schrieb: „Der Regenbogen hat heute einen Riss bekommen. Das ist ein dunkler Tag für unsere Community und unser Land.“ Für den Nachmittag wurde eine Trauerveranstaltung am Brandenburger Tor angekündigt.
Viele Menschen äußerten ihre Bestürzung und ihre Wut. Ein Radfahrer, der am Tatort innehielt, sagte mit Tränen in den Augen: „Da spürt man wieder den ganzen Hass der islamistischen Welt auf den Westen.“ Ein anderer erinnerte an den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt vor fast zehn Jahren. Eine Anwohnerin sprach nur von „Wut“ und fügte hinzu: „Und das wird nicht das letzte Mal sein, leider.“ Der Vorsitzende eines queeren Chores rief dazu auf, sich nicht einschüchtern zu lassen: „Jetzt erst recht. Man darf sich nicht einschüchtern lassen. Sonst erreichen diese Menschen ihr Ziel. Wir dürfen uns nicht den Mut nehmen lassen.“



