Wochenendtipps Berlin: Marilyn Monroe, Pet Shop Boys, Ausstellungen und mehr
Wochenendtipps Berlin: Marilyn Monroe, Pet Shop Boys und mehr

Es wird wohl sommerlich warm an diesem Wochenende in Berlin. Die großen Konzerthäuser und Theater gehen langsam in die Sommerpause, doch für Kurzentschlossene gibt es noch zahlreiche kulturelle Höhepunkte. Insgesamt sechs Indoor-Tipps und ein Outdoor-Event warten auf Besucher. Besonders empfehlenswert: Für das Konzert der Pet Shop Boys am Samstag in der Waldbühne sind noch wenige Tickets verfügbar.

Marilyn Monroe wieder entdecken

Wie bei allen jung gestorbenen Kino- oder Pop-Ikonen lädt auch der frühe Tod von Marilyn Monroe zu Spekulationen ein. Was hätte aus ihr werden können, wäre sie nicht 1962 im Alter von 36 Jahren an einer Medikamentenüberdosis gestorben? Im Gegensatz zu James Dean, dessen schmales Oeuvre im Laufe der Jahrzehnte aus dem kollektiven Gedächtnis gesickert ist, hat Marilyn bis heute einen maßgeblichen Impact auf die globale Popkultur.

Anlässlich ihres 100. Geburtstags zeigt das Zeughauskino die Retrospektive „Everyone Likes It Hot. Marilyn Monroe zum Hundersten“ mit 15 ihrer bekanntesten Filme. Darunter alle Klassiker von „Gentlemen Prefer Blondes“ (1953) über die ikonischen Billy-Wilder-Komödien „The Seven Year Itch“ (Sa 1.8., 19 Uhr) und „Some Like it Hot“ (Di 14.7., 19 Uhr) bis zum elegischen Spätwestern „Misfits“ (So 26.7., 19 Uhr) von 1961, ihrem letzten Film. Eine ihrer untypischsten Rollen war 1953 die böswillige Femme Fatale in „Niagara“ (Sa 11.7., 20 Uhr). Der male gaze, der Marilyn während ihrer gesamten Karriere begleitet hat, treibt in Henry Hathaways Nebenbuhler-Drama absurde Blüten – was den stylischen Film Noir in Technicolor nicht weniger sehenswert macht.

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Pet Shop Boys in der Waldbühne

Neil Tennant und Chris Lowe wissen, wie man Fans glücklich macht. Die beiden Briten, die seit über 40 Jahren als Pet Shop Boys firmieren, besuchen im Rahmen ihrer „Dreamworld: The Greatest Hits Live“-Tournee Berlin. Eine Stadt, in der sich das erfolgreichste Duo der britischen Pophistorie immer schon heimisch fühlte und in der beide Musiker zeitweise auch lebten. Das Best-of-Konzert unter freiem Himmel mit Hymnen wie „It’s A Sin“, „West End Girls“, „Being Boring“ oder „Go West“ verspricht ein Highlight zu werden. Die echten Fans gehen noch in die Verlängerung und treffen sich bei den „Obskur Pet Shop Boys“-Auftritten im Huxleys Neue Welt (So/Mo 12./13.7., 19:15 Uhr). Zwei Abende lang präsentieren Tennant und Lowe eine Setlist mit Albumtracks, B-Seiten und Fan-Favoriten. Die Kuschelkonzerte für Liebhaber sind leider schon ausverkauft, aber für das Familientreffen in der Waldbühne gibt es noch Karten. Einen Ort in Berlin danach kann man wohl meiden. „Die Paris Bar – da gehen wir nicht mehr hin“, sagten die beiden Musiker im Tagesspiegel-Gespräch. „Wir wurden einmal von Paparazzi verfolgt, ich glaube, einer aus der Bar hat uns verpfiffen. Es war wirklich schrecklich.“

Lesung im Sommerbad

Vielleicht lockt das Wetter zum Schwimmen, für Kultur reicht es auf jeden Fall. Am Sonntag lädt das Sommerbad Humboldthain ein, Fragen von Erinnerung, digitaler Gegenwart und Sichtbarkeit zu erkunden. Ab 13 Uhr liest Elona Beqiraj aus ihrem Lyrikband „und wir kamen jeden sommer“, die Journalistin Meret Weber moderiert. Um 15 Uhr diskutieren Anan Fries und Noemi Garay Murcia über das Internet als ambivalenten Raum zwischen Sichtbarkeit, Schutz und digitaler Täuschung. Ab 17 Uhr dreht sich die Performance „Look at Me“ von Niklas Apfel und dem collectif blitzbereit um das Thema Aufmerksamkeit und Anerkennung im digitalen Zeitalter.

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Ausstellung: Gebaute Gemeinschaft

Als die Menschen sesshaft wurden, trugen Rituale und Feste zur Bekräftigung und Ordnung der Gemeinschaften bei. Steinerne Architekturen und Artefakte, die in den 1990ern in Göbeklitepe in der Türkei entdeckt wurden, zeugen auch Jahrtausende später davon. Die Verbundenheit der Menschen untereinander, mit ihren Ahnen, mit den Tieren und mit der spirituellen Welt durchzog das Leben. Besonders faszinierend: die absolute Gleichheit ihrer Mitglieder. Es gibt keine Hinweise auf Hierarchien. Alle Aufgaben wurden wohl gemeinschaftlich gelöst: die Jagd, die Zubereitung des Essens, der Bau der Monumente, Skulpturen und Artefakte. Das verbindende Thema der Ausstellung „Gebaute Gemeinschaft. Göbeklitepe, Taş Tepeler und das Leben vor 12.000 Jahren“ ist deshalb: „Gemeinschaft“. Wie diese aussah zu Beginn des Holozäns in Südwestasien, zeigt das Projekt des Vorderasiatischen Museums mit dem Archäologischen Museum in Şanlıurfa und der Universität Istanbul. Neben charaktervollen Skulpturen und Rekonstruktionen vermitteln die Schwarz-Weiß-Bilder der spanischen Fotografin Isabel Muñoz, die auf den Grabungen nachts bei Fackellicht fotografiert hat, die magische Atmosphäre dieser bedeutenden Orte. Sie sind auch Zeugnisse einer tiefgreifenden Zeitenwende.

„Sabotage“ in der Schaubühne

Am Anfang fällt das schwere Wort: Völkermord. Ein sympathischer Mann um die Vierzig, Typ Großstädter, erzählt von seiner komplizierten jüdischen Familie und fragt sich, ob es möglich ist, dass Juden zu Tätern werden. Was das bedeutet für seine Identität. Darüber will er jetzt, offenbar nach einer längeren Schaffenskrise, einen Dokumentarfilm drehen. Dimitrij Schaad eröffnet Yael Ronens Stück „Sabotage“ in einem mitreißend verhaspelten, nervösen Monolog. Ein sympathischer Typ, der Jona Lubnik. Er lebt in Berlin, seine Frau ist eine hochgestellte Ärztin an der Charité mit glänzenden Aussichten – und lehnt das Filmprojekt ihres Mannes ab. Zu gefährlich, das würde als antisemitisch verstanden und einen gewaltigen Shitstorm auslösen. Schlecht für die Kinder in der jüdischen Schule, schlecht für ihre Karriere. Diese Aufführung von Yael Ronen rast mitten hinein ins private Leben, in die Weltpolitik. Auf der spartanisch ausgestatteten, breit angelegten Bühne von Magda Willi, auf der mehrere Schauplätze wie Inseln nebeneinanderliegen, schraubt Jona an Ikea-Möbeln herum. Letzte Gelegenheit vor der Sommerpause (ab Montag), noch mal gutes Theater zu sehen.

Goodbye Sadness, Hello Sadness

In der Bar „Va Bene“, die der Künstler Friedrich Kunath in seinem Atelier in LA installiert hat, steht zur Begrüßung „Goodbye Sadness“ in Neonlettern. Verabschiedet werden die Besucher mit „Hello Sadness“, inspiriert vom Roman „Bonjour Tristesse“, den die 18-jährige Françoise Sagan 1954 veröffentlichte. Die voll funktionsfähige Bar, die Kunath als eine soziale Skulptur betrachtet, hat seine Galerie Pace als Highlight für ihre Sommerausstellung „Goodbye Sadness, Hello Sadness“ mit Werken zwischen Hedonismus und Melancholie nach Berlin geholt. Am Tresen könnten jene 50 Künstler ihren Kummer hinunterspülen, denen die Pace jüngst die Zusammenarbeit gekündigt hat. Die kleine Berliner Dependance auf dem Gelände der historischen Tankstelle teilt sich Pace mit der Galerie Judin. Dieses Arrangement könnte als Modell dafür dienen, wie der Kater infolge eines überhitzten Kunstmarktes mit individuelleren Lösungen auskuriert werden könnte. Die Liste der Pace-Künstler ist weiter beeindruckend: Elmgreen & Dragset zeigen unter dem Titel „Aber ich bin doch auf der Gästeliste“ einen „VIP“-Eingang, der ins Nichts führt, Alicja Kwades kunstvoll geschnitzter Barhocker steht unbenutzbar in einer Vitrine, und Monica Bonvicinis Spiegel formt die Worte „Same Old Shit“.

Die Welt in einem Sandkorn sehen

Mit der global steigenden Nachfrage wird Sand zu einer knappen Ressource. Der intensive Abbau führt vielerorts zu ökologischen Schäden, insbesondere durch die Zerstörung von Uferzonen und Stränden. Alfred Ehrhardts bekannteste Fotografien zeigen Sand in Bewegung, geformt von Wasser und Wind. Matthias Burba interessiert, woraus diese faszinierenden Strukturen genau bestehen. Aus weltweit gesammelten 800 Sandproben hat der Forensiker am Polarisationsmikroskop Bildkompositionen entwickelt, in denen Licht und Filter gezielt eingesetzt werden, um spezifische Farb- und Strukturmerkmale der Sandkörner sichtbar zu machen. Die Arbeiten zeigen Sandkörner nicht als neutrale Objekte, sondern als komplexe Formationen, deren Farben, Strukturen und Lichtbrechungen an abstrakte Malerei erinnern. Ein geologisches Archiv, geprägt von Millionen Jahren Verwitterung, Bewegung und Transformation, mit hochästhetischen Qualitäten. Ob die Besuchenden in jedem Sandkorn das ganze Universum erkennen werden können, wie es der Dichter William Blake formulierte? „Um eine Welt in einem Sandkorn zu sehen / Und einen Himmel in einer wilden Blume / Halte die Unendlichkeit in deiner flachen Hand / Und die Ewigkeit in einer Stunde.“