In Sachsen-Anhalt erproben zehn Schulen ein neues Lernkonzept, bei dem Schüler einen Tag pro Woche in Unternehmen verbringen. Das sogenannte 4+1-Modell sieht vor, dass Schüler der 8. Klasse an einem Tag in der Woche in Betrieben arbeiten, statt in der Schule zu sitzen. Ziel ist es, praxisnahe Erfahrungen zu sammeln und den Unterricht zu optimieren.
Ein Beispiel ist die Sekundarschule in Zielitz. Der 13-jährige Lennox Schmidt besucht einmal pro Woche eine Pflegeeinrichtung in Wolmirstedt. Dort hilft er älteren Menschen beim Frühstück und führt Gespräche. Schulleiterin Kerstin Ahlers betont, dass der Praxislerntag die Motivation der Schüler steigere und ihr Selbstbewusstsein stärke.
Das Modell erinnert an die DDR-Zeit, als es sogenannte Unterrichtstage in der Produktion gab. Heute soll es auch helfen, den Lehrermangel zu bewältigen. Die beteiligten Unternehmen sehen Vorteile: Fabian Biastoch, Geschäftsführer von Humanas, sagt, der Praxislerntag gebe den Schülern ein realistisches Bild der Pflege. Lennox Schmidt möchte nach der Schule jedoch zur Bundeswehr und nicht in der Pflege arbeiten.
Schulleiterin Ahlers sieht keine direkte Entlastung für Lehrkräfte durch das 4+1-Modell, da die Organisation viel Zeit koste. Stattdessen helfe die Umstellung auf 80-minütige Unterrichtsblöcke. Das Bildungsministerium erlaubt den zehn Schulen die Fortführung bis zum Schuljahr 2025/26. Eine Umfrage ergab, dass die Projektarbeit die pädagogische Beobachtung und die Kommunikation im Kollegium verbessert habe.
In Sachsen gibt es ein ähnliches Konzept: Schüler können ihr zweiwöchiges Betriebspraktikum in einzelne Praxistage aufteilen. Zudem wurde das digitalgestützte Selbstlernen auf alle Oberschulen, Gymnasien, Gemeinschaftsschulen und Berufliche Schulzentren ausgeweitet.



