Bayreuther Festspiele: Katharina Wagner gesteht Fehler nach Eklat um Friedman
Katharina Wagner gesteht Fehler nach Friedman-Eklat

Der Eklat um die abgesagte und dann doch wieder angekündigte Gedenkveranstaltung „Verstimmte Stimmen“ mit Michel Friedman (70) hat die Bayreuther Festspiele in ihren Grundfesten erschüttert. Jetzt spricht Festspielchefin Katharina Wagner (48) in der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) erstmals ausführlich über das Debakel – und räumt schwere Fehler ein.

Hintergrund des Eklats

Zum 150. Geburtstag der Bayreuther Festspiele wollte Wagner gemeinsam mit Publizist Michel Friedman an die von den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten jüdischen Musiker erinnern und sich zugleich kritisch mit der antisemitischen Geschichte ihrer Familie auseinandersetzen. Doch dann wurde das Projekt kurzfristig abgesagt – offiziell wegen Sicherheitsbedenken. Friedman reagierte empört und sprach von einem „Offenbarungseid“.

Die Absage löste bundesweit Kritik aus. Viele warfen den Festspielen vor, sich der Auseinandersetzung mit der eigenen NS-Vergangenheit entziehen zu wollen. Besonders brisant: Die Polizei wusste von keinen Sicherheitsbedenken.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Wagner räumt Kommunikationsdefizite ein

Nun versucht Katharina Wagner, die Wogen zu glätten. Die Gedenkveranstaltung werde stattfinden, versichert sie in der „SZ“. Eintritt werde keiner erhoben. Stattdessen sollen Besucher freiwillig spenden. Das Geld soll israelischen Musikerinnen und Musikern zugutekommen.

Die Intendantin schildert zugleich die vielen organisatorischen Schwierigkeiten hinter den Kulissen. Es habe Probleme mit dem Veranstaltungsort, dem Ticketverkauf und der Planung gegeben. Doch sie macht deutlich: Die eigentlichen Fehler lagen woanders. „Wir hatten hausintern ein erhebliches Kommunikationsdefizit. Ich trage als Leiterin dieser Festspiele die Verantwortung.“

Missverständnis um Sicherheitsbedenken

Besonders die Begründung der Absage sorgt bis heute für Kritik. Gegenüber Friedman waren „Sicherheitsbedenken“ angeführt worden. Die Polizei wusste davon allerdings nichts. Wagner: „Mit der Formulierung waren keine behördlichen Sicherheitsbedenken gemeint.“ Vielmehr habe es interne Sorgen gegeben, weil die Veranstaltung das Personal und die Sicherheitsabläufe kurz vor der Premiere der Oper „Rienzi“ stark belastet hätte.

Katharina Wagner: „Es gab zu Recht Kritik für diese fatale Fehleinschätzung. Ich habe bei Herrn Friedman deshalb um Entschuldigung gebeten. Wir hatten nicht nur in einem Aspekt ein Kommunikationsdefizit. Das alles tut mir von Herzen leid. Das habe ich Herrn Friedman gesagt, und bin sehr dankbar, dass er diese Entschuldigung angenommen hat.“

Friedman wird kritische Rede halten

Besonders bitter: Nach außen entstand der Eindruck, Bayreuth wolle die Auseinandersetzung mit der eigenen NS-Vergangenheit vermeiden. Kritiker warfen den Festspielen vor, einen jüdischen Intellektuellen auszuladen, damit Adolf Hitlers einst verehrter Wagner-Kosmos ungestört gefeiert werden könne.

Diesen Vorwurf weist Wagner zurück. Eine Ausladung Friedmans sei „zu keinem Zeitpunkt“ beabsichtigt gewesen. Wagner: „Ich habe Herrn Friedman angefragt, weil ich uns nicht nur hochleben lassen wollte. 150 Jahre Festspiele sind zweifellos ein Grund zum Feiern. Zugleich bin ich mir der kritischen Geschichte bewusst, die dieses Haus und die Familie Wagner mit sich bringen. Ich erwarte eine sehr kritische Rede von Herrn Friedman.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration