Erneut haben in Potsdam mehr als 60 Sechstklässler beim Übergang von der Grund- zur weiterführenden Schule nicht ihren Erst- oder Zweitwunsch erhalten. Das geht aus aktuellen Antworten des brandenburgischen Bildungsministeriums hervor. Insgesamt mussten 37 Schüler, die ein Gymnasium besuchen wollten, an das Helmholtz- oder das Nord-Gymnasium verwiesen werden, obwohl sie zwei andere Gymnasien als Wunsch angegeben hatten. Weitere 28 Kinder, die die Fachoberschul- oder Erweiterte Berufsbildungsreife anstreben, erhielten nicht ihren bevorzugten Platz an einer Ober- oder Gesamtschule.
Zusätzliche Klassen entlasten nur teilweise
Die Stadt hatte bereits vor dem Verfahren zusätzliche Klassen an besonders nachgefragten Schulen geschaffen – am Humboldt-, Helmholtz- und Bertha-von-Suttner-Gymnasium in der Teltower Vorstadt, im Zentrum und in Babelsberg. Diese Maßnahmen zeigten laut Ministerium teilweise Wirkung, reichten aber nicht aus, um alle Wunschschulplätze zu decken. Die beliebtesten Schulen waren erneut die Voltaire- und die Da-Vinci-Gesamtschule sowie das Humboldt-Gymnasium.
Steuben-, Kollwitz- und Fontane-Schulen als Auffangbecken
Den 28 betroffenen Kindern ohne Gymnasialwunsch wurden nach Ministeriumsangaben Alternativen angeboten: die Steuben-Gesamtschule, die Kollwitz- sowie die Fontane-Oberschule. Diese Einrichtungen fungieren seit Jahren als Auffangbecken, wenn andere Gesamtschulen keine weiteren Schüler aufnehmen können. Insgesamt nahmen mehr als 1800 Schüler und ihre Familien am diesjährigen Ü7-Verfahren in Potsdam teil.
Widersprüche bislang gering – aber möglich
Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Zahl der Widersprüche bislang niedrig. Ministeriumssprecher Alexander Engels erklärte: „Momentan liegt ein Widerspruch gegen eine Zuweisung eines Kindes auf eine Schule vor. Das Verfahren läuft.“ In den Vorjahren hatte es teils bis zu einhundert Schüler gegeben, die nicht ihre Wunschschule bekamen. Der Kreiselternrat sprach im September 2023 von 421 erfolglosen Erstwünschen und 37 Zwangszuweisungen, begleitet von 81 Widersprüchen.
Landkreise und Privatschulen erschweren Planung
Ein wesentlicher Grund für die anhaltenden Probleme ist die hohe Zahl von Auswärtigen: Weit mehr als 1000 Schüler aus Potsdam-Mittelmark werden in Potsdamer weiterführenden Schulen unterrichtet, was die Planung erschwert. Zudem besucht rund ein Fünftel aller Potsdamer Kinder Privatschulen – auch diese Zahlen sind schwer kalkulierbar. Bildungsbeigeordneter Torsten Wiegel (parteilos) hatte die Problematik bereits benannt.
Schülerzahlen steigen bis in die 2030er Jahre
Die Lage dürfte sich in den kommenden Jahren nicht entspannen. Laut Stadtprognose wird die Zahl der Kinder an weiterführenden Schulen zunächst weiter steigen, bei etwa gleichbleibenden Kapazitäten. Erst im Laufe der 2030er Jahre wird mit einem Rückgang gerechnet – im Zuge des deutschlandweiten Geburtenknicks, der in Potsdam bereits in der Kita-Landschaft spürbar ist.



