350 Bewerbungen für 32 Räume: Musiker drängen in Berliner Ex-Gefängnis
350 Bewerbungen für 32 Räume: Musiker drängen in Ex-Knast

Ehemalige JVA wird zum Kreativquartier

350 Bewerbungen gingen für nur 32 Räume ein: Das frühere Frauengefängnis in der Lehrter Straße in Berlin-Moabit wird zum Arbeitsort für Musiker und Künstler umgebaut. Die Nachfrage ist enorm, wie der zuständige Bezirk Mitte mitteilt. Die Mieten sollen bezahlbar bleiben – ein seltener Glücksfall in der angespannten Berliner Immobilienlandschaft.

Der Backsteinbau, einst als harter Knast bekannt, soll ab 2027 schrittweise in ein Kreativzentrum verwandelt werden. Die alten Zellen werden zu Proberäumen und Ateliers umfunktioniert. „Die Geschichten über die alten Zellen sind düster, aber die Künstler sehen darin eine besondere Atmosphäre“, sagt Bezirksstadtrat für Kultur, Elias Böhm (Grüne).

Bezahlbare Mieten im Fokus

Die Mieten liegen laut Bezirksamt bei etwa 6 Euro pro Quadratmeter – weit unter dem Berliner Durchschnitt für Gewerberäume. Damit sollen vor allem freischaffende Künstler und junge Musiker unterstützt werden, die in der Hauptstadt oft unter Verdrängung leiden. „Wir wollen verhindern, dass Berlin seine kreative Szene verliert“, so Böhm.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Die 32 Räume verteilen sich auf zwei Etagen. Jeder Raum ist etwa 20 bis 30 Quadratmeter groß. Die Nutzung ist auf fünf Jahre befristet, um eine Durchmischung zu ermöglichen. Bewerber mussten ein Konzept einreichen, das ihren künstlerischen oder musikalischen Hintergrund darlegt.

Düstere Vergangenheit des Gebäudes

Die JVA für Frauen in der Lehrter Straße war bis 2010 in Betrieb. Inhaftierte waren dort unter anderem wegen Drogendelikten oder Diebstahls. Die Zellen waren spartanisch eingerichtet, die Atmosphäre gilt als bedrückend. Heute sollen die Räume „Kreativität statt Knast“ fördern, wie ein Projektbeteiligter sagt.

Der Umbau kostet rund 1,5 Millionen Euro, finanziert aus Landesmitteln und Fördertöpfen. Die Bauarbeiten beginnen im Herbst 2026. Erste Künstler sollen im Frühjahr 2027 einziehen. „Das Projekt ist ein Leuchtturm für bezahlbare Kulturräume in Berlin“, sagt der Vorsitzende des Berliner Künstlerverbands, Paul Richter.

Große Nachfrage bestätigt Bedarf

Die 350 Bewerbungen kommen aus ganz Berlin und dem Umland. Darunter sind Bands, Maler, Bildhauer und Performancekünstler. „Die Zahl zeigt, wie groß der Druck auf dem Kreativmarkt ist“, erklärt Bezirksstadtrat Böhm. Viele Bewerber hätten von steigenden Mieten und fehlenden Räumen berichtet.

Die Auswahl der Nutzer erfolgte durch eine Jury aus Bezirksvertretern und Kulturexperten. Kriterien waren unter anderem die künstlerische Qualität und die finanzielle Bedürftigkeit. „Wir wollten eine Mischung aus etablierten und aufstrebenden Künstlern“, so Böhm.

Das Projekt könnte Vorbild für andere Bezirke sein. In Berlin fehlen schätzungsweise 10.000 bezahlbare Proberäume. Das ehemalige Gefängnis in Moabit ist ein erster Schritt, die Lücke zu schließen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration