Bayerns Gastro und Hotels: Tausende Google-Bewertungen gelöscht
Bayerns Gastro und Hotels löschen massenhaft Bewertungen

In bayerischen Gastronomiebetrieben und Hotels werden Zehntausende Google-Maps-Bewertungen gelöscht. Das ergab eine Stichprobe der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in zehn großen Städten des Freistaats. Je nach Ort haben zwischen 14 und 26 Prozent der Betriebe Löschungen veranlasst. In Einzelfällen waren es mehr als 200 Bewertungen, meist jedoch ein- oder zweistellige Zahlen.

Stichprobe in zehn Städten

Für die Auswertung wurden aus den neun größten Städten Bayerns sowie Landshut als größter Stadt Niederbayerns insgesamt mehr als 1.600 Datensätze erhoben. Die Stichprobengröße reicht von 92 in Erlangen bis 268 in Nürnberg. Die Zahlen unterliegen daher einer gewissen Ungenauigkeit, lassen aber grobe Aussagen zu.

Nürnberg vor München

Die höchsten Löschquoten finden sich in den beiden größten Städten: In Nürnberg haben knapp 26 Prozent der untersuchten Betriebe Bewertungen löschen lassen, in München knapp 25 Prozent. Es folgen Würzburg mit rund 24 Prozent, Erlangen mit 23 Prozent sowie Fürth, Regensburg und Landshut mit etwa 20 Prozent. Die niedrigsten Werte verzeichnen Augsburg mit 18 Prozent sowie Bamberg und Ingolstadt mit rund 14 Prozent. Diese Werte decken sich mit Beobachtungen aus anderen Bundesländern, wo die Quoten in großen Städten teils an die 30 Prozent heranreichen.

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Bedeutung von Google-Bewertungen

„Die Bedeutung von Google Bewertungen kann man kaum unterschätzen“, sagt Professor Steffen Kroschwald, Direktor des Instituts für Verbraucherforschung und nachhaltigen Konsum (vunk) an der Hochschule Pforzheim. „Oft ist der erste Blick die Sternebewertung, und die spielt bei Entscheidungen eine maßgebliche Rolle.“ Für Unternehmen sei dies ein ökonomischer Faktor. Kroschwald verweist auf eine regelrechte „Löschindustrie“: „Es gibt professionelle Dienstleister und Anwaltskanzleien, die Löschverfahren nicht als Fairness-Instrument verstehen, sondern als Geschäftsmodell.“ Verbraucher hätten oft weder Zeit noch Belege, um gegen Löschungen vorzugehen, was „Overblocking“ begünstige – dass mehr gelöscht werde, als eigentlich gerechtfertigt sei.

Verdächtige Bewertungsmuster

Bei Betrieben mit besonders vielen Löschungen finden sich häufig auffällige Lücken im Bereich unter vier Sternen, obwohl die Gesamtbewertungszahl vierstellig ist. Ob man Google-Bewertungen im Einzelfall vertrauen sollte, sei laut Kroschwald „eine andere Frage“.

Dehoga rät zur Vorsicht

Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Dehoga Bayern, betont den erheblichen Einfluss der Bewertungen. „Unser Rat ist, sie ernst zu nehmen. Sachliche, konstruktive Kritik ist ja auch ein wichtiger Hinweis. Löschen lassen sollte man nur, wenn es um Schmähkritik oder gezielte Diffamierung geht, die darauf aus sind, den Betrieb zu schädigen. Dann ist es aber auch angemessen, aktiv zu werden.“ Von pauschalen Löschaktionen durch spezialisierte Kanzleien rät Geppert ab: „Das ist nicht sinnvoll.“ Er fordert die Bewertungsportale auf, besser zu prüfen, ob Einträge von echten Gästen stammen. Verärgerten Gästen empfiehlt er: „Lieber vor Ort etwas sagen – dann kann der Wirt oder Hotelier direkt reagieren.“

Transparenz bei Google

Seit Ende April blendet Google Maps bei Bewertungen einen Hinweis ein, wenn Löschungen erfolgt sind. Der Hinweis erscheint im Unternehmensprofil direkt unter der Rezensionsübersicht. Google begründet dies als Transparenzmaßnahme: In Deutschland werde wegen einer hohen Zahl von Beschwerden „wegen Diffamierung nach deutschem Recht“ ein Hinweis angezeigt, wenn im vergangenen Jahr Rezensionen entfernt wurden. Als Diffamierung fasst Google unter anderem unwahre Tatsachenbehauptungen oder sachlich nicht gerechtfertigte Meinungsäußerungen zusammen. Unternehmen könnten zudem geltend machen, der Verfasser sei gar kein Kunde gewesen. Google betont, der Hinweis beeinflusse weder das Ranking noch die Platzierung in lokalen Suchergebnissen.

Deutschland fällt europaweit auf

Laut einer EU-Transparenzdatenbank zum Digital Service Act wurden im ersten Halbjahr 2026 europaweit mehr als 756.500 Beiträge auf Google Maps wegen „illegalem Inhalt“ gelöscht – fast alle in Deutschland.

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