Bayreuther Festspiele: Programm für Gedenkveranstaltung zu 150 Jahren steht
Bayreuther Festspiele: Programm für Gedenkveranstaltung steht

Nach wochenlangem Wirbel um die zunächst abgesagte und dann doch wieder angesetzte Gedenkveranstaltung zum 150. Jubiläum der Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth steht nun das endgültige Programm fest. Der jüdische Publizist Michel Friedman, dessen ursprüngliche Ausladung für heftige Kritik gesorgt hatte, wird einen Vortrag mit dem Titel „Über Bayreuth, über Deutschland. Versuch einer Gesellschaftsanalyse“ halten. Dies gab die Festspielleitung am heutigen Montag bekannt.

Hintergrund des Eklats um Michel Friedman

Die Bayreuther Festspiele hatten zuvor für negative Schlagzeilen gesorgt, als sie Friedman zu der Gedenkveranstaltung „Verstummte Stimmen“ – die an während der NS-Zeit verfolgte jüdische Musiker erinnern soll – zunächst einluden, dann aber wieder ausluden. Nach massiver öffentlicher Kritik, unter anderem von Kulturpolitikern und Verbänden, wurde die Einladung schließlich doch wieder ausgesprochen. Die Intendantin Katharina Wagner sprach von einer „fatalen Fehleinschätzung“ und einem „hausintern erheblichen Kommunikationsdefizit“. In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ betonte sie: „Bitte verstehen Sie, wenn ich dazu nicht mehr sagen will, außer: Ich trage als Leiterin dieser Festspiele die Verantwortung.“ Sie fügte hinzu: „Das alles tut mir von Herzen leid.“

Musikalisches Programm und Spendenziel

Statt des ursprünglich im Gespräch befindlichen Dirigenten Christian Thielemann wird nun Semyon Bychkov den Taktstock führen. Auf dem Programm stehen Richard Wagners „Siegfried-Idyll“ sowie ein Klavier-Quartett von Gustav Mahler. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist kostenfrei, jedoch wird um Spenden gebeten. Diese sollen laut Homepage der Festspiele „über das Keshet Eilon Music Center jungen israelischen Musikerinnen und Musikern zugute“ kommen. Die Gedenkveranstaltung findet entgegen früherer Planungen nicht im Friedrichsforum, sondern im Bayreuther Festspielhaus auf dem berühmten Grünen Hügel statt. Am selben Abend wird dort eine Neuinterpretation von Wagners Oper „Rienzi“ aufgeführt.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Historische Verstrickungen der Festspiele

Der Komponist Richard Wagner (1813–1883), Gründer der Bayreuther Festspiele, verfasste antisemitische Schriften und äußerte sich wiederholt klar antisemitisch. Die Festspiele galten später als eng mit nationalistisch-völkischem Gedankengut verflochten und waren während der NS-Zeit eng mit dem Nationalsozialismus verbunden. Adolf Hitler war regelmäßiger Gast in Bayreuth, und Katharina Wagners Großmutter Winifred Wagner, die die Festspiele damals leitete, galt als glühende Verehrerin Hitlers. Vor diesem Hintergrund war die zeitweise Ausladung Friedmans auf besonders scharfe Kritik gestoßen.

Reaktionen und Ausblick

Die nun feststehende Programmgestaltung wird von vielen Beobachtern als Versuch gewertet, das angekratzte Image der Festspiele zu reparieren. Die Gedenkveranstaltung „Verstummte Stimmen“ soll am 25. Juli 2025 stattfinden, dem offiziellen Jubiläumstag der ersten Bayreuther Festspiele im Jahr 1876. Die Festspielleitung hofft, mit dem erweiterten Programm und der erneuten Einbindung Friedmans ein Zeichen der Aufarbeitung zu setzen. Ob dies gelingt, bleibt abzuwarten – die Debatte um den Umgang mit der belasteten Geschichte der Festspiele ist damit jedoch noch nicht beendet.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration