Am 20. September 2026 entscheiden die Berliner Wählerinnen und Wähler über die Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses und damit über die künftige Regierungsspitze im Roten Rathaus. Der amtierende Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat seine Spitzenkandidatur zurückgezogen, sodass es nach der Wahl mit Sicherheit einen neuen Amtsinhaber oder eine neue Amtsinhaberin geben wird. Aktuelle Umfragen sehen die CDU zwar vorn, doch die Mehrheitsverhältnisse sind offen: Eine Fortsetzung der schwarz-roten Koalition ist ebenso möglich wie ein Bündnis aus SPD, Linken und Grünen. Zudem hat die AfD im Vergleich zur Wahl 2023 deutlich zugelegt. Wer sind die Spitzenkandidaten der fünf wichtigsten Parteien? Ein Überblick über ihre Biografien und politischen Hintergründe.
CDU-Spitzenkandidat: Stefan Evers – Der Finanzsenator aus Nordrhein-Westfalen
Stefan Evers, geboren am 10. Oktober 1979 in Herdecke (Nordrhein-Westfalen), wuchs in Paderborn auf und studierte Jura in Potsdam. Er ist derzeit Finanzsenator im Senat von Kai Wegner und übernahm im Juli 2026 die Spitzenkandidatur der CDU, nachdem Wegner seinen Verzicht erklärt hatte. Evers ist verheiratet und lebt in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, die er 2015 einging. Zuvor arbeitete er als Referent für CDU-Bundestagsabgeordnete, als Geschäftsführer einer Strategie- und Kommunikationsberatung und als selbstständiger Unternehmensberater. Seit 2011 gehört er dem Abgeordnetenhaus an. Sein politischer Fokus liegt auf der Haushalts- und Finanzpolitik, die er als Senator maßgeblich prägt.
SPD-Spitzenkandidat: Steffen Krach – Der Regionspräsident aus Hannover
Steffen Krach, am 7. August 1979 in Hannover geboren, studierte Sozial- und Politikwissenschaften in Göttingen und ab 2002 in Berlin. Er ist verheiratet mit Kim Krach und Vater von drei Söhnen. Von 2014 bis 2021 war er Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung in der Berliner Senatskanzlei, bevor er am 1. November 2021 Regionspräsident der Region Hannover wurde. Krach gilt als erfahrener Verwaltungsmann und Netzwerker. Seine Kandidatur für das Amt des Regierenden Bürgermeisters steht für eine Rückbesinnung auf sozialdemokratische Kernthemen wie Bildung und soziale Gerechtigkeit.
Linke-Spitzenkandidatin: Elif Eralp – Die Juristin mit Migrationsgeschichte
Elif Eralp, 1981 in München als Kind türkischer Flüchtlinge geboren, wuchs in München, Dortmund und Hamburg auf. Sie studierte Jura in Hamburg und kam nach dem zweiten Staatsexamen 2010 nach Berlin. Seit 2021 ist sie Mitglied des Abgeordnetenhauses. Eralp ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sie setzt sich besonders für soziale Gerechtigkeit, Antidiskriminierung und bezahlbaren Wohnraum ein. Ihre Kandidatur symbolisiert den Anspruch der Linken, eine progressive Alternative zur bisherigen Regierungspolitik zu bieten.
Grüne-Spitzenkandidaten: Bettina Jarasch und Werner Graf – Ein Duo für die Klimawende
Bettina Jarasch, geboren am 22. November 1968 in Augsburg, absolvierte ein Volontariat bei der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“, bevor sie Politik und Philosophie studierte. Sie war von Dezember 2021 bis April 2023 Umweltsenatorin im Senat von Franziska Giffey und ist seit März 2023 Fraktionsvorsitzende der Grünen im Abgeordnetenhaus. Sie ist mit dem RBB-Journalisten Oliver Jarasch verheiratet und lebt mit ihm und ihren zwei Söhnen in Wilmersdorf. Werner Graf, geboren 1980 in Neumarkt in der Oberpfalz, gehört seit 2021 dem Abgeordnetenhaus an und ist seit März 2022 gemeinsam mit Jarasch Fraktionsvorsitzender. Zuvor war er von Dezember 2016 bis Dezember 2021 Landesvorsitzender der Berliner Grünen. Das Duo steht für eine ambitionierte Klima- und Verkehrspolitik sowie soziale Ökologie.
AfD-Spitzenkandidatin: Kristin Brinker – Die Architektin mit Parteivorsitz
Kristin Brinker, geboren 1972 in Bernburg (Sachsen-Anhalt), kam nach der Wiedervereinigung nach Berlin. Sie studierte von 1994 bis 1999 Architektur an der Technischen Universität Berlin und promovierte dort. Seit 2013 ist sie AfD-Mitglied und gehört dem Abgeordnetenhaus seit 2016 an. 2021 übernahm sie den Berliner Landesvorsitz der Partei sowie den Vorsitz der AfD-Fraktion. Brinker ist verheiratet. Sie vertritt eine betont konservative Linie mit Fokus auf innere Sicherheit, Zuwanderungsbegrenzung und Kritik an der etablierten Politik.
Ausgangslage und Koalitionsoptionen
Laut Umfragen liegt die CDU vorne, doch die SPD könnte mit Linken und Grünen eine rot-rot-grüne Koalition bilden. Auch eine erneute große Koalition ist möglich. Die AfD hat zugelegt, wird aber von den anderen Parteien als Koalitionspartner ausgeschlossen. Die endgültige Entscheidung fällt am 20. September 2026.



