Der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Ehrenvorsitzende der Hamburger CDU, Dirk Fischer (82), ist am vergangenen Donnerstag bei einer Veranstaltung mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) im Hamburger Rathaus von Polizisten der Rathauswache auf die Straße eskortiert worden. Der Vorfall markiert einen neuen Tiefpunkt in der politischen Isolation des einstigen CDU-Urgesteins, das bereits seit Monaten mit Hausverboten und finanziellen Problemen kämpft.
Polizeieinsatz im Rathaus: Fischer ignoriert Gästeliste
Fischer hatte versucht, an der Veranstaltung „Sicherheit gemeinsam stärken – Resilienz für Deutschland und Hamburg“ teilzunehmen, bei der Dobrindt als Ehrengast geladen war. Laut Augenzeugen scheiterte er jedoch an den Ratsdienern, die ihn aufgrund der Gästeliste abwiesen. Der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Dennis Gladiator (45), eilte herbei und teilte Fischer mit, dass er nicht willkommen sei. Fischer reagierte mit Unverständnis und begann zu diskutieren, woraufhin Polizisten hinzugezogen wurden, die ihn aus dem Rathaus führten. Wer die Polizei rief, ist unklar.
Gladiator bestätigte den Vorfall gegenüber BILD: „Dirk Fischer stand bei dieser Veranstaltung nicht auf der Gästeliste und hatte keinen Zutritt. Das habe ich ihm auch mitgeteilt. Alles andere ist eine private Angelegenheit von Dirk Fischer, zu der wir uns auch aus Respekt vor seiner Person nicht äußern.“ Die Polizei bestätigte, dass Beamte vor Ort waren, machte aber keine weiteren Angaben.
Finanzielle Probleme und Hausverbot in der CDU-Zentrale
Hintergrund der Maßnahmen sind Fischers massive finanzielle Schwierigkeiten. Er soll wiederholt ehemalige politische Weggefährten aggressiv um Geld angebettelt haben, teils in aller Öffentlichkeit. Hochrangige Parteifunktionäre bestätigten gegenüber BILD, dass Fischer zwischenzeitlich Parteifreunden 40.000 Euro schuldete. Im Dezember 2025 erhielt er Hausverbot in der Hamburger CDU-Zentrale am Leinpfad. Bereits im Juli 2025 war er aus einer 186 Quadratmeter großen Wohnung mit 5,5 Zimmern in Alsternähe wegen Mietschulden ausgezogen. Sein aktueller Wohnort ist unbekannt.
Ursache der finanziellen Misere soll die Unterstützung für seine brasilianische Freundin sein, die Fischer bis in den eigenen Bankrott hinein mit Geld versorgt haben soll. Trotz einer üppigen Pension von rund 7159,43 Euro brutto aus seiner Abgeordnetenzeit reichen die Mittel offenbar nicht. Fischer wollte sich gegenüber BILD nicht äußern.
Karriere und Ämter: Vom Verkehrspolitiker zum Fußballpräsidenten
Dirk Fischer saß von 1980 bis 2017 für die CDU im Deutschen Bundestag, fünf Jahre lang als verkehrspolitischer Sprecher. Von 1992 bis 2007 führte er die Hamburger CDU als Landesvorsitzender. 2017 wurde er zum Ehrenvorsitzenden der Hamburger CDU gewählt. Sein prominentestes Ehrenamt war das des Präsidenten des Hamburger Fußballverbands, das er von 2007 bis 2021 innehatte. Der 82-Jährige war einst eng mit Altkanzlerin Angela Merkel und Hamburgs Altbürgermeister Ole von Beust verbunden.



