Litauen, Lettland und Polen warnen vor russischen Angriffsplänen
Baltikum und Polen warnen vor russischen Angriffen

Geheimdienstinformationen deuten auf russische Angriffspläne hin

Litauen hat nach Angaben seines Präsidenten Gitanas Nausėda Geheimdienstinformationen über russische Pläne für Angriffe auf die Infrastruktur erhalten. Vorsorglich werde die Sicherheit an Energie- und Verkehrsanlagen verschärft, sagte Nausėda in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur BNS. Er habe keine Informationen darüber, wann oder wo die Angriffe geplant seien. „Wir haben solche Signale, die wir von unseren (Geheim-)Diensten erhalten“, sagte Nausėda. „Sie nennen weder einen klaren Ort noch eine Zeit, weil der Gegner seine Planung noch nicht abgeschlossen hat und wir nur von der Planung oder dem Ziel wissen.“

Verschiedene Mittel der Sabotage möglich

Es könne sich um verschiedene Mittel handeln, die darauf abzielten, kritische Infrastruktur physisch zu beschädigen. „Alles, was den Betrieb dieser Anlagen beeinträchtigt.“ Nausėda sagte in dem Interview nicht ausdrücklich, dass sein Land das Ziel sei. Allerdings hatte das Nachbarland Polen kürzlich erklärt, westliche Geheimdienste seien besorgt über das Risiko russischer Angriffe auf polnisches und baltisches Territorium.

Lettland berichtet von Sabotageversuchen

Die Regierung Lettlands geht aktuell von ähnlichen Angriffsplänen Russlands aus. Am Mittwoch berichtete der lettische Präsident Edgars Rinkēvičs auf einer Pressekonferenz mit seinem litauischen Amtskollegen Nausėda in Vilnius: „Informationen, die wir aus Litauen, Lettland und anderen Nato-Staaten sowie von verschiedenen dortigen Behörden erhalten, deuten auf diverse Sabotageversuche und Maßnahmen zur Untergrabung der Sicherheit in unseren Staaten hin.“ Gegen welche der Länder sich die jüngsten Sabotageversuche gerichtet haben, ließ Rinkēvičs offen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Polen reagiert mit Militärübungen

Derweil gab Polens Ministerpräsident Donald Tusk bekannt, dass er aktuell nicht mit einem baldigen Frieden in der Ukraine rechnet, sondern viel eher eine Ausdehnung des Konflikts erwarte, die mindestens bis zum Winter andauere. „Angesichts der starren Haltung Russlands und Putins scheint es zu diesem Zeitpunkt unwahrscheinlich, dass in naher Zukunft ein Waffenstillstand oder ein Friedensabkommen erreicht wird“, sagte er am Dienstag vor Journalisten in Paris. Polen werde im Herbst Militärübungen mit französischen und britischen Truppen ausrichten, kündigte Tusk weiter an. Ziel sei es, die „Koalition der Willigen“ darauf vorzubereiten, die Sicherheit für die Ukraine und die Region zu gewährleisten, sobald ein Friedensabkommen oder ein Waffenstillstand erreicht sei.

Russisches Aufklärungsflugzeug abgefangen

Erst am Dienstag hatten polnische Kampfjets nach Militärangaben ein russisches Aufklärungsflugzeug Iljuschin Il-20 dicht vor der Ostseeküste Polens abgefangen. „Das ist der erste russische Versuch seit Langem, sich unserer Küste zu nähern, um die Flugabwehr auszukundschaften“, teilte Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz in Warschau mit. Russland teste die Nato aus, sagte er der Nachrichtenagentur PAP zufolge. Seinen Angaben nach flog die russische Maschine über internationalen Gewässern etwa 30 Kilometer vor der Hafenstadt Ustka in Pommern. Nach einer Warnung habe die Il-20 abgedreht und sei Richtung Russland geflogen.

Litauen und Lettland grenzen direkt an Russland

Das Nato-Mitglied Litauen grenzt an die russische Exklave Kaliningrad sowie an den russischen Verbündeten Belarus. Litauen hat seine Verteidigungsausgaben seit der russischen Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 verdreifacht. Lettland grenzt im Osten auf einer Länge von rund 172 Kilometern an Belarus. Die östliche Landesgrenze ist außerdem eine direkte Außengrenze zur Russischen Föderation. Der Staat ist seit dem 1. Mai 2004 ein Nato-Mitglied. Die Regierung in Moskau weist immer wieder Vorwürfe zurück, Sabotageakte oder andere Angriffe auf Länder außerhalb der Ukraine zu planen oder auszuführen. Solche Berichte seien Teil einer antirussischen Propagandakampagne.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration