Deutsches Venedig: Tübingen und seine Stocherkähne am Neckar
Deutsches Venedig: Tübingen und seine Stocherkähne

Die Universitätsstadt Tübingen in Baden-Württemberg wird oft als „deutsches Venedig“ bezeichnet – und das hat einen guten Grund: Stocherkähne gleiten hier seit Jahrhunderten über den Neckar und prägen das Stadtbild ähnlich wie die Gondeln in der italienischen Lagunenstadt. Die Boote locken jedes Jahr zahlreiche Besucher an, die die Altstadt vom Wasser aus erleben möchten. Einmal im Jahr wird aus der gemütlichen Fahrt jedoch ein harter Wettkampf, bei dem die Verlierer eine unangenehme Strafe erwartet: Sie müssen Lebertran trinken.

Stocherkähne: Eine jahrhundertealte Tradition auf dem Neckar

Der Name „Stocherkahn“ leitet sich vom sogenannten „Stocher“ ab, einer langen Stange, mit der der Lenker das Boot vom Flussgrund abstößt und vorwärts bewegt. Da der Neckar rund um die Altstadt von Tübingen nicht besonders tief ist, nutzten die Menschen diese Technik bereits vor vielen Jahrhunderten. Die älteste bekannte Darstellung eines Stocherkahns stammt aus dem Jahr 1544, wie die offizielle Seite der Universität Tübingen berichtet. Heute sind die Boote untrennbar mit der Stadt verbunden und bieten eine einzigartige Perspektive auf die historische Architektur.

Vielfältige Angebote für Besucher

Inzwischen gibt es zahlreiche Angebote rund um die Stocherkähne. Besucher können beispielsweise eine Weinprobe auf dem Wasser buchen oder an einer „After-Work-Stocherkahnfahrt“ teilnehmen. Die rund 130 zugelassenen Stocherkähne befinden sich im Besitz studentischer Gruppen und anderer Vereine. Wer selbst eine Fahrt unternehmen möchte, kann an vier Haltestellen zusteigen. Die Preise variieren je nach Dauer, Programm und Anbieter. Die Fahrer steuern die Boote und erzählen während der Tour Wissenswertes über die Stadt und ihre Geschichte. Der Stocherkahnverein Tübingen e. V. bietet zudem Kurse an, bei denen Interessierte das Lenken der Boote selbst erlernen können.

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Das Stocherkahnrennen: Höhepunkt des Jahres

Jedes Jahr im Juni an Fronleichnam findet das Stocherkahnrennen statt. Studentische Gruppen treten gegeneinander an und umrunden möglichst schnell die Neckarinsel im Stadtzentrum. Ein Steuermann bewegt den Kahn mit dem Stocher, während die übrigen Teammitglieder mit bloßen Händen paddeln. Tausende Schaulustige verfolgen das Spektakel entlang der Ufer. Die Sieger erhalten einen Wanderpokal und ein Fass Bier. Für die Verlierer gibt es dagegen eine deutlich weniger angenehme Belohnung: Sie müssen Lebertran trinken – eine Strafe, die garantiert nicht schmeckt. Laut TRAVELBOOK ist das Rennen ein jährliches Highlight, das die Tradition der Stocherkähne lebendig hält und Besucher aus nah und fern anzieht.

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