Hannover (dpa/lni) - Wenn die Temperaturen steigen, wird das Leben für Menschen ohne festen Wohnsitz zur tödlichen Gefahr. Aus Anlass des bundesweiten Hitzeaktionstags am 11. Juni haben das Niedersächsische Gesundheitsministerium, das Landesgesundheitsamt (NLGA) und die Caritas in Hannover eindringlich auf die Risiken hingewiesen. Bei einem Besuch im Tagestreff der Caritas kamen Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) und NLGA-Präsident Fabian Feil mit betroffenen Menschen ins Gespräch. Im Folgenden beantworten die Experten die wichtigsten Fragen.
Warum gewinnt das Thema an Bedeutung?
Das NLGA rechnet damit, dass Hitzewellen in Zukunft intensiver und länger andauern werden. Gesundheitsminister Philippi betonte den Zusammenhang mit dem Klimawandel und erklärte, es habe höchste Priorität, frühzeitig geeignete Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen. Dazu gehöre auch eine gut informierte Bevölkerung, die die Zeichen der Gefahr erkennt und richtig handelt.
Warum sind Wohnungslose bei Hitze besonders gefährdet?
Obdachlose Menschen verbringen oft viele Stunden im Freien und können sich nur schwer vor direkter Sonneneinstrahlung schützen. Viele von ihnen leiden zusätzlich unter körperlichen oder psychischen Vorerkrankungen, die ihre Widerstandskraft weiter schwächen. In überhitzten Städten und auf aufgeheiztem Asphalt bringt selbst die Nacht kaum Abkühlung. NLGA-Präsident Feil erklärte: „Wohnungslose Menschen sind hiervon besonders betroffen. Sie benötigen dringend Zugang zu kühlen Orten und Trinkwasser.“
Was können Bürgerinnen und Bürger tun?
Wer Menschen in Notlagen helfen möchte, kann sie zunächst einfach ansprechen und nach ihrem Befinden fragen. Praktische Hilfen wie das Anbieten von Trinkwasser, Sonnencreme oder einer Kopfbedeckung sind oft lebensrettend. Besonders wichtig ist es, bei Warnzeichen eines Hitzschlags oder Sonnenstichs ernst zu reagieren und im Zweifel professionelle Hilfe zu holen.
Woran erkennt man einen Hitzschlag?
Ein Hitzschlag entsteht, wenn der Körper mehr Wärme aufnimmt, als er abgeben kann. Die Körpertemperatur steigt dann gefährlich an. Typische Symptome sind Schwindel, Müdigkeit, Verwirrtheit, Krämpfe, ungewöhnliche Unruhe sowie heiße, rote und trockene Haut. Ein Hitzschlag kann lebensbedrohlich sein und erfordert sofortige medizinische Hilfe.
Was ist ein Sonnenstich?
Ein Sonnenstich wird durch längere direkte Sonneneinstrahlung auf den Kopf verursacht, was zu einer Reizung der Hirnhaut führen kann. Anzeichen sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, ein heißer und geröteter Kopf, Bewusstseinsstörungen oder Ohrgeräusche. Besonders gefährdete Menschen sollten diese Warnsignale kennen und wissen, wo sie Hilfe bekommen können.
Welche Hilfe gibt es in Hannover?
Der Tagestreff der Caritas bietet wohnungslosen Menschen nicht nur Beratung und Versorgung, sondern auch einen schattigen Innenhof, der bei extremer Hitze als Rückzugsort dient. Neu installiert wurde zudem ein Sonnencreme-Spender, der den Betroffenen kostenlos zur Verfügung steht. Propst Wolfgang Semmet betonte: „Menschen ohne Rückzugsmöglichkeiten leiden besonders unter der prallen Sonne. Wir brauchen mehr solcher Hilfen – und zwar schnell.“



