Am Freitag wird es in Berlin erneut sehr heiß. Der Deutsche Wetterdienst prognostiziert Temperaturen von bis zu 35 Grad. Für viele Schülerinnen und Schüler könnte der Unterricht daher hitzebedingt früher enden. Doch welche Regelungen gelten in Berlin? Und was müssen berufstätige Eltern beachten?
Wann gibt es Hitzefrei in Berlin?
In Berlin gibt es keine feste Temperaturgrenze, ab der automatisch Hitzefrei gewährt wird. Die Schulpflicht hat grundsätzlich Vorrang. Die Bildungsverwaltung argumentiert, dass der Ausfall oder das Versäumen von Unterricht die Ausnahme sein sollte. Stattdessen soll der Unterricht den Witterungsverhältnissen angepasst werden. Bei „großer Hitze“ können Schulleitungen entscheiden, den Unterricht zu verkürzen. „Nur wenn dies nicht möglich ist, kann der Unterricht nach Entscheidung der Schulleitung ausnahmsweise ausfallen“, teilte ein Sprecher der Bildungsverwaltung mit. In der Praxis ist es an vielen Schulen üblich, bei Temperaturen über 32 Grad den Unterricht zu verkürzen oder die letzte Stunde ausfallen zu lassen.
Welche Rechte haben berufstätige Eltern?
Wenn die Schule hitzebedingt früher endet, stehen Eltern vor einer Herausforderung. Der Berliner Fachanwalt für Arbeitsrecht Martin Bechert stellt klar: „Hitzefrei bedeutet nicht automatisch arbeitsfrei für die Eltern.“ Kann für das Kind jedoch kurzfristig keine anderweitige Betreuung organisiert werden, kann die Betreuungspflicht der Eltern im Einzelfall Vorrang vor der Arbeitspflicht haben. Ob der Arbeitgeber für diese Zeit weiterhin Lohn zahlen muss, ist eine separate Frage. „Ein solcher Anspruch kann bei kurzfristigen Betreuungsausfällen grundsätzlich bestehen, ist allerdings in vielen Arbeitsverträgen ausgeschlossen“, so Bechert.
Gibt es Notbetreuungen?
Die Schulen in Berlin sollen auch an heißen Tagen eine Betreuung anbieten. Das gilt auch für das Mittagessen, bei dem kühle Getränke bereitgestellt werden. In vielen Schulen gibt es inzwischen Wasserspender. Im Falle eines Unterrichtsausfalls wird in der Regel eine Notbetreuung sichergestellt, teilte die Bildungsverwaltung mit.
Wie schützen Schulen vor Hitze?
Mit der Schulbauoffensive 2016 wurde das Ziel gesetzt, mittelfristig mehr als 550 Millionen Euro pro Jahr in Berliner Schulen zu investieren. Bei Neubauten werden bauliche Maßnahmen wie spezielle Verglasungen, Außenjalousien und Entlüftungssysteme umgesetzt. In älteren Schulgebäuden sieht die Realität jedoch oft anders aus. Eltern und Schüler berichten von aufgeheizten Klassenräumen und fehlendem Sonnenschutz. Teilweise helfen sich Lehrkräfte mit selbst gebastelten Leinenvorhängen, wie die Elternvertretung einer Grundschule in Neukölln berichtet.



