Seit dem Stromausfall am 3. Januar 2026 steht Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) wegen seines Krisenmanagements in der Kritik. Im Nachhinein musste er sich mehrfach dafür erklären, wann er was gesagt hat. Eine Chronologie seiner Aussagen zeigt, wie sich seine Darstellung im Laufe der Monate verändert hat.
4. Januar: Erste Stellungnahme in der Notunterkunft
Am Tag nach dem Stromausfall besucht Wegner eine Notunterkunft und sagt: „Ich habe mich gestern weder gelangweilt noch die Füße hochgelegt, sondern ich war den ganzen Tag am Telefon und habe versucht zu koordinieren und mich bestmöglich zu informieren, weil ich denke, das hilft den Menschen noch mehr.“ Er sei am ersten Tag zu Hause gewesen und habe sich in sein Büro „eingeschlossen“.
6. Januar: Kritik aus dem Umfeld zurückgewiesen
Wegners Umfeld weist Vorwürfe zurück, er habe sich nicht in Berlin aufgehalten. Wegner habe am 3. Januar den ganzen Tag telefoniert – vor Ort im Krisengebiet sei das ohne Internet- und Handyempfang nicht möglich gewesen.
7. Januar: Eingeständnis des Tennisspiels
Im Interview bei Welt TV räumt Wegner nach einer RBB-Recherche ein, am Tag des Stromausfalls Tennis gespielt zu haben. „Ich habe von 13 bis 14 Tennis gespielt, weil ich einfach den Kopf freikriegen wollte“, sagt er. Zuvor habe er sich intensiv mit dem Stromausfall beschäftigt: „Ich habe in der Tat um 8.08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen. Ich habe mit den Krisenstäben telefoniert, mit Stromnetz.“ In der RBB-„Abendschau“ äußert er sich selbstkritisch: „Rückblickend hätte ich das am Sonntag sagen sollen, was ich am Samstag gemacht habe.“
15. Januar: Regierungserklärung im Abgeordnetenhaus
Der Stromausfall ist Thema im Abgeordnetenhaus. Wegner gibt sich erneut selbstkritisch: „Rückblickend hätte ich bereits am Sonntag sagen müssen, dass ich eine Stunde Sport gemacht habe“, sagt er in einer Regierungserklärung.
23. März: Entschuldigung im „Bild“-Gespräch
Wegner äußert sich im Gespräch mit „Bild“: „Ja, ich habe kommunikative Fehler gemacht und möchte mich dafür bei allen Berlinerinnen und Berlinern entschuldigen. Es tut mir aufrichtig leid.“ Er habe aber nicht bewusst getäuscht, seinen Job gemacht und am Vormittag des 3. Januar vor allem mit Textnachrichten kommuniziert. Von Telefonaten gleich am Morgen ist – anders als in den Äußerungen am 7. Januar – jetzt nicht mehr die Rede.
7. Juli: „Tagesspiegel“-Recherche bringt Klarheit
Eine „Tagesspiegel“-Recherche erhöht den Druck auf Wegner. Es sei „vor 12:45 Uhr kein Telefonat geführt“ worden, erklärt die Senatskanzlei. „Vielmehr fand der Austausch per Textnachrichten statt.“ Beim Berliner Hoffest äußert sich Wegner im RBB-Interview: „Das hatten wir ja schon im März bestätigt, dass ich zwei Telefonate am Vormittag geführt habe, den Rest über Textnachrichten.“ Mit „am Vormittag“ habe Wegner allerdings nicht die Zeit bis um 12 Uhr gemeint, sondern den Zeitraum vor seinem Tennisspiel um 13 Uhr, stellt ein Senatssprecher klar.
8. Juli: Reaktion auf X
Wegner äußert sich auf X zu den neuen Vorwürfen. Er bedauere den Eindruck, der durch seine Äußerungen Anfang Januar entstanden sei, und verweist auf seine Äußerungen in der „Bild“ im März.



