Ein breites Bündnis aus dem Zentrum für Demokratie (ZfS) in Schöneweide und Berlin gegen Nazis hat die Kampagne „Keine Heimat für Nazis. In Köpenick und überall“ gestartet. Ziel ist es, dem starken Anstieg rechtsextremer Vorfälle im Berliner Südosten entgegenzutreten, insbesondere rund um die Zentrale der rechtsextremen Partei „Die Heimat“ (ehemals NPD) in Köpenick.
Bedrohungen und Gewalt im Umfeld der Neonazi-Zentrale
Das Café Köpenick, ein Jugend- und Kulturzentrum in der Seelenbinderstraße, liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Parteizentrale. Eine Mitarbeiterin des Jugendclubs berichtet von wiederholten Bedrohungen und gewalttätigen Angriffen auf Mitarbeitende und Besucher: „Die Jugendlichen sorgen sich, ob und wie sie sicher nach Hause kommen.“ Besonders bei parallelen Veranstaltungen in der Parteizentrale sei ein verstärktes Sicherheitskonzept nötig.
Die neonazistische Partei war 2000 mit ihrer Bundeszentrale in die Seelenbinderstraße 42 gezogen und hat seitdem eine rechtsextreme Infrastruktur im Bezirk aufgebaut, unter anderem durch breit angelegte Jugendarbeit. Als zentraler Treffpunkt galt die Kneipe „Zum Henker“ in der Brückenstraße in Schöneweide, die 2014 geschlossen wurde.
Register erfasst alarmierende Zahlen
Janine Löffler vom Berliner Register, das die Kampagne unterstützt, sagt: „Die Zivilgesellschaft ist damals zusammengerückt. Nach der Schließung der Kneipe war ein paar Jahre Ruhe, doch seit Längerem nimmt die Gewalt in Treptow-Köpenick wieder zu.“ Für 2025 erfasste das Register im Bezirk insgesamt 1238 extrem rechte und diskriminierende Vorfälle, darunter 29 Angriffe. Damit liegt Treptow-Köpenick nach dem Bezirk Mitte auf dem zweithöchsten Wert in Berlin.
Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) betont: „Wir nehmen nicht hin, dass sich Neonazis in Treptow-Köpenick breitmachen.“ Trotz zweier Jahrzehnte Gegenproteste sei der Rechtsextremismus nicht zurückgedrängt worden. „Wir stellen aber nicht fest, dass dadurch massenhaft neue Demokraten entstanden sind oder dass der Rechtsextremismus deutlich zurückgedrängt wurde. Im Gegenteil sind Homophobie, Rassismus und Gewalt gestiegen und das rechte Gedankengut hat sich in der Normalbevölkerung immer mehr verfestigt.“
Kampagne setzt auf Vernetzung und Sensibilisierung
Die Kampagne will nicht nur die breite Mehrheit der Gesellschaft ansprechen und mobilisieren, sondern auch Organisationen, lokale Akteure und Einzelpersonen miteinander vernetzen. Online wie offline sollen die Berlinerinnen und Berliner dafür sensibilisiert werden, dass eine Neonazi-Zentrale in der Stadt alle angehe und rechtsextreme Raumnahme nicht unbeantwortet bleibe.
Die „Heimat“ will ihr Haus in der Seelenbinderstraße verkaufen, wie die „taz“ Anfang Mai berichtete. Igel hätte gehofft, dass die Immobilie aufgrund der hohen Schulden der Partei an den Staat fällt und der Bezirk sie übernehmen kann. „Derzeit sieht es aber eher nach einem Verkauf an Privat aus, welcher der Partei zusätzliches Geld einbringt. Vielleicht werden wir hier die Zentrale los – aber es wäre nur die Verlagerung des Problems an einen anderen Ort.“



