Kinderfeuerwehren in Niedersachsen verzeichnen Zulauf – Mädchenanteil steigt
Kinderfeuerwehren in Niedersachsen: Zulauf und mehr Mädchen

Die Kinder- und Jugendfeuerwehren in Niedersachsen erleben einen deutlichen Aufschwung. Laut dem Verein Niedersächsische Kinder- und Jugendfeuerwehr, gestützt auf Zahlen des Innenministeriums, waren Ende 2025 rund 54.700 Mädchen und Jungen Mitglied – ein Plus von 2,5 Prozent oder 1.349 Kindern im Vergleich zum Vorjahr. Landesweit gibt es 1.246 Kinder- und 1.920 Jugendfeuerwehren.

Wachsende Beliebtheit bei den Jüngsten

In der Kinderfeuerwehr Bad Bevensen im Landkreis Uelzen üben Ben, Liam, Theo und Finn konzentriert einen Einsatz mit einer Playmobil-Tankstelle. „Es macht mir Spaß, weil man etwas Neues lernt über Feuer“, sagt der achtjährige Ben, der seit zwei Jahren dabei ist und stolz seine feuerfeste Jacke trägt. Auch die siebenjährige Joud ist begeistert, als sie an diesem Sommertag das Abrollen von Wasserschläuchen trainiert. Die Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren bereiten sich auf bundeseinheitliche Wettkämpfe vor, darunter Staffelläufe und Löschübungen. Im September ist ein Ausflug mit Übernachtung in der Jugendherberge Hitzacker geplant, die das Thema „Feuer und Flamme“ anbietet.

„Die Feuerwehr ist für uns das beste Hobby der Welt“, betont der 18-jährige Fynn, der nach seiner Zeit in der Jugendabteilung nun als Betreuer aktiv ist. Ihm gefallen die sportliche Betätigung, die Kameradschaft und die klare Führungsstruktur. Ortsbrandmeisterin Tatjana Rüger berichtet: „Wir haben seit zehn Jahren so um die 30 Jugendliche, derzeit sind fünf Mädchen dabei. Wir können uns nicht beklagen, man muss aber auch Präsenz zeigen.“ Um Interesse zu wecken, sei man auf Social Media aktiv und werbe bei allen Festen in der Gemeinde.

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Mädchenanteil steigt kontinuierlich

Besonders erfreulich: Der Anteil der Mädchen in den Kinder- und Jugendfeuerwehren liegt bei rund 36,5 Prozent und wächst seit Jahren. 2010 betrug er in den Jugendfeuerwehren noch 27,5 Prozent; die ersten Kinderfeuerwehren wurden 2011 gegründet. 2016 kletterte der Anteil auf etwa 32,5 Prozent. Wie ein Sprecher mitteilte, liegt die Quote seit Jahren um einige Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt. Der Verein vermutet, dass Jungen aufgrund eines höheren Technikinteresses noch etwas stärker vertreten sind, betont aber: „Vorurteile, Feuerwehr sei nur etwas für Männer, spielen glücklicherweise bei Kinder- und Jugendfeuerwehren kaum eine Rolle – wenn überhaupt noch.“

Landes-Kinder- und Jugendfeuerwehrwart Matthias Düsterwald zeigt sich erfreut: „Wir nehmen mit großer Freude wahr, wie echte und nicht konstruierte Gleichberechtigung funktioniert.“ Die Arbeit in den Kinder- und Jugendfeuerwehren sei „beispielgebend“ für andere Abteilungen der Feuerwehr.

Pädagogischer Auftrag und AG in der Schule

In der Ganztagsschule KGS Bad Bevensen gibt es eine AG Feuerwehr, die Diplom-Pädagogin Nina Fromhagen seit Jahren leitet. Drei Fünftklässler üben dort Löschen, Absperren und Unfall-Absicherung mit Kreide auf dem Asphalt. „Die Feuerwehr ist ein Hobby, wo jeder seine Stärke einbringen kann. Das ist der Unterschied zum Fußball, da muss man schon Schießen und Laufen können“, erklärt Fromhagen. Wer den Löschschlauch oder schwere Geräte nicht tragen kann, könne immer noch eine Straße sperren oder technisches Know-how einbringen.

Ortsbrandmeisterin Rüger betont den großen pädagogischen Auftrag: Wer sich in den Vordergrund spiele oder nur Befehle erteile, bekomme von den Jugendwarten schnell eine Ansage. Während der Übungen gebe es kein „Bitte“ oder „Danke“ – die Befehle seien knapp und müssten im Ernstfall klappen. Die Kinder lernten diszipliniertes Arbeiten unter Zeitdruck. Gelobt werde erst hinterher.

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