Tragödie in Schorndorf: Kleinkind in Auto gestorben – Mutter unter Verdacht
Kleinkind in Auto gestorben: Mutter unter Verdacht

Fassungslosigkeit nach Tod eines Kleinkindes in Schorndorf

Ein tragischer Vorfall erschüttert die baden-württembergische Stadt Schorndorf: Ein etwa 20 Monate altes Mädchen ist gestorben, nachdem es offenbar stundenlang allein in einem Auto zurückgelassen wurde. Die Mutter des Kindes steht im Zentrum der Ermittlungen. Sie soll ihre Tochter am Mittwoch über mehrere Stunden im Wagen vergessen haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.

Obduktion soll Todesursache klären

Die Ermittler erhoffen sich von der für Freitagmorgen angesetzten Obduktion der Leiche erste Aufschlüsse über die genauen Todesumstände. Ein Polizeisprecher erklärte, dass dabei unter anderem geklärt werden solle, ob die hohen Temperaturen eine Rolle gespielt haben könnten oder ob möglicherweise andere gesundheitliche Gründe zum Tod des Mädchens geführt haben. Bislang ist unklar, ob die Hitze im Auto ursächlich war.

Mutter hat sich noch nicht geäußert

Die 44-jährige Mutter hat einen Rechtsbeistand beantragt und wurde bisher nicht von der Polizei vernommen. „Bislang ist nicht sicher, ob und in welcher Form sich die Mutter äußern wird“, so der Polizeisprecher. Nach Angaben der Behörden entdeckte die Frau ihre leblose Tochter am Nachmittag. Trotz sofortiger Reanimationsversuche durch einen Notarzt und den Rettungsdienst verstarb das Kind noch am Unfallort.

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Ermittlungen zum Tathergang

Die Polizei rekonstruiert nun den Tagesablauf der Mutter. „Es ist jetzt elementarer Bestandteil der Ermittlungen, den Tag zu rekonstruieren“, sagte der Sprecher. Weder die Polizei noch die Staatsanwaltschaft machten Angaben dazu, wie es zu dem Vergessen kommen konnte oder wo sich die Mutter während der Zeit aufhielt, als das Mädchen allein im Auto war. Die Hintergründe sind noch völlig unklar.

Das Phänomen des Vergessenen-Baby-Syndroms

Dass Eltern ihre Kinder im Auto vergessen, kommt häufiger vor, als man denkt. Forscher bezeichnen dieses Phänomen als „Vergessenes-Baby-Syndrom“. Der US-amerikanische Psychologieprofessor David M. Diamond, der sich intensiv mit diesem Syndrom beschäftigt, erklärt, dass Stress, Schlafmangel oder veränderte Routinen das Vergessen auslösen können. Im Gehirn entstehe eine falsche Erinnerung, weil Routinehandlungen wie die Fahrt zur Arbeit quasi im Autopilot-Modus absolviert würden.

Reaktionen in der Bevölkerung

Die Nachricht von dem Tod des Kleinkindes hat in Schorndorf Bestürzung und Fassungslosigkeit ausgelöst. Viele Menschen zeigen sich erschüttert. Eine junge Frau sagt: „Ich verstehe nicht, dass es immer noch Leute gibt oder dass es sich noch nicht herumgesprochen hat, dass man so etwas bei diesen Temperaturen einfach nicht macht. Man lässt ein Kind überhaupt nicht allein im Auto.“ Eine 82-jährige Frau pflichtet bei: „Ich habe selbst Kinder und Enkel. So etwas geht gar nicht. Schon für einen selbst ist die Hitze zu viel. Und dann die Vorstellung, auszusteigen und das Kind im Auto zu lassen – da hakt es bei mir schon.“

Eine andere Bewohnerin denkt auch an die Rettungskräfte: „Ich frage mich, wie es den Sanitätern geht. Die hatten diesen leblosen Körper vor sich liegen und konnten nichts mehr machen. Das muss sie doch auch unheimlich beschäftigen. Mir geht das sehr nach.“

Es gibt aber auch Stimmen, die Verständnis für die Mutter aufbringen. Dietmar Alsleben, ein gelernter Kinderkrankenpfleger, sagt: „Mir ist das nicht unbekannt. Natürlich ist ein solcher Fall schwer nachzuvollziehen. Aber ich sehe das etwas anders: Unter Stress denkt man manchmal an nichts.“ Er erinnert sich an den Fall eines Vaters, der sein Kind im Auto vergaß, als er es eigentlich in den Kindergarten bringen sollte. „Das kann im Alltag schon passieren. Viele Leute sind so in ihren Alltag eingebunden, mit sich selbst oder anderen Dingen beschäftigt, dass so etwas passiert.“

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