Quinoa-Schule in Berlin: Jeder Schüler erhält einen Abschluss
Quinoa-Schule: Jeder Schüler erhält einen Abschluss

In Berlin-Mitte ist der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss mit 13,2 Prozent am höchsten. Die private Quinoa-Schule in Gesundbrunnen beweist, dass es anders geht: Seit drei Jahren verlässt dort jeder Schüler mit einem Abschluss die Schule. Das Konzept basiert auf individueller Förderung, engen Beziehungen und konsequenter Unterstützung.

Steigende Schulabbrecherzahlen in Berlin

Laut der Berliner Bildungsverwaltung verließen im letzten Schuljahr rund 2.800 Jugendliche die Schule ohne Abschluss – das entspricht 8,7 Prozent, ein Anstieg gegenüber 8,5 Prozent im Vorjahr. Besonders betroffen sind die Bezirke Mitte (13,2 Prozent), Spandau (12,9 Prozent) und Neukölln (12 Prozent). Die niedrigsten Quoten verzeichnen Steglitz-Zehlendorf (3,3 Prozent), Charlottenburg-Wilmersdorf (4,2 Prozent) und Pankow (5,2 Prozent).

Umut: Vom hoffnungslosen Fall zum erfolgreichen Schüler

Der 15-jährige Umut aus Mitte erlebte jahrelang, wie Lehrer ihn als hoffnungslos abgestempelt haben. „Sie haben mir immer das Gefühl gegeben, dass ich es sowieso nicht schaffe. Es hat sie auch nicht interessiert, ob ich am Unterricht teilnehme oder nicht“, sagt er. „Infolgedessen waren meine Leistungen und Motivation schlecht.“ Auf Empfehlung einer Familie besuchte er die Quinoa-Schule in Gesundbrunnen, eine kleine Privatschule mit zwei Klassen pro Jahrgang und insgesamt 180 Schülern in den Klassen 7 bis 10. Die Schule beschäftigt 49 Mitarbeiter, darunter 26 Lehrer.

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Eine Privatschule für benachteiligte Kinder

Die Quinoa-Schule ist keine Schule für wohlhabende Eltern. Sie liegt im Herzen von Gesundbrunnen und richtet sich an Schüler aus benachteiligten Verhältnissen. Etwa 94 Prozent der Schüler haben einen Migrationshintergrund, 80 Prozent beziehen Sozialleistungen. „Unsere Schülerschaft spiegelt einfach die Nachbarschaft wider“, sagt Schulleiter Pantelis Pavlakidis. „Nur 13 Familien können das durchschnittliche Schulgeld von 89 Euro zahlen; alle anderen sind befreit.“ Als staatlich anerkannte Ersatzschule erhält die Quinoa-Schule vom Land Berlin 93 Prozent der Personalkosten, die vergleichbare öffentliche Schulen verursachen. Miete und Instandhaltung werden nicht bezuschusst. „Das reicht natürlich bei Weitem nicht“, sagt Hendrikje Lorenz, Geschäftsführerin der Quinoa Bildung gGmbH. „Dennoch halten wir höhere Schulgebühren für unfair. Wir finanzieren uns hauptsächlich durch Spenden und andere öffentliche Mittel. Der Vorteil ist, dass wir selbst entscheiden können, wie das Geld ausgegeben wird.“

Individuelle Förderung und echte Fürsorge

Das Konzept der Schule klingt verblüffend einfach: individuelle und sprachliche Förderung, starke Beziehungen und enge Zusammenarbeit mit den Familien. Jeder Schüler bekommt einen eigenen Tutor, der sowohl bei schulischen als auch bei familiären Problemen Ansprechpartner ist. „Wir gehen kindzentriert vor, und unsere Fürsorge ist echt – die Schüler spüren das“, sagt Pavlakidis. „Wir interessieren uns für jeden Einzelnen.“ Das bedeutet nicht, dass die Schüler keine Leistungen erbringen müssen. „Wir erteilen regulären Unterricht, und Schüler bekommen auch schlechte Noten“, sagt der Schulleiter. „Aber wir belassen es nicht dabei. Gemeinsam mit den Schülern überlegen wir, wie die Lücken geschlossen werden können.“ Eine Methode sind Fördergruppen, die an der Quinoa-Schule „Booster“ heißen und bei den Schülern sehr beliebt sind. „Sie haben ein positives Image“, sagt Pavlakidis.

Erfolgreiche Bilanz: Jeder Schüler erhält einen Abschluss

Der Erfolg gibt der Schule recht. Seit drei Jahren erhält jeder Schüler der Quinoa-Schule einen Abschluss. Rund die Hälfte erreicht sogar die MSA-GO, die zum Besuch der Oberstufe und zum Abitur berechtigt. „Etwa die Hälfte von ihnen macht dann auch das Abitur“, sagt Pavlakidis. „Unser Ziel ist es, dass alle jungen Menschen, unabhängig von ihrem sozialen oder kulturellen Hintergrund, die Möglichkeit haben, einen Schulabschluss zu erwerben und ihre Ausbildung fortzusetzen.“ Das ist auch im Wedding nicht unbemerkt geblieben. Jedes Jahr bewerben sich rund 200 Schüler um einen Platz, nur 50 werden angenommen. „Die Noten, die die Schüler in der Grundschule bekommen, sind uns egal. Wir achten darauf, dass die Zusammensetzung passt; wir wollen gute Dynamiken in den Klassen“, sagt Pavlakidis.

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Das 11. Pflichtschuljahr: Ein neuer Ansatz des Senats

Die Bildungsverwaltung will ebenfalls die Perspektiven dieser Jugendlichen verbessern. Mit dem neuen Schulgesetz hat der Senat ein 11. Pflichtschuljahr eingeführt. Seit letztem Jahr müssen Schüler unter 18 Jahren, die nach der Beratung in der zehnten Klasse noch keinen klaren Plan für ihre Zukunft haben, ein zusätzliches Jahr besuchen. Das Programm ist nicht auf einen Abschluss ausgerichtet, sondern auf Berufsorientierung und die Entwicklung beruflicher Grundkompetenzen. Es umfasst praxisorientierten Unterricht, individuelle Förderung, Praktika, Projektarbeit und praktische Lernsituationen. Im letzten Jahr wurden 900 Plätze an 15 beruflichen Oberschulen („Ankerschulen“) geschaffen – 60 Plätze pro Schule. Allerdings nahmen nur etwa 436 Schüler ihre Plätze an den Ankerschulen wahr. Trotz intensiver Bemühungen der Schulen, einschließlich telefonischer oder postalischer Kontaktaufnahme und aufsuchender Sozialarbeit, nahmen 210 Jugendliche die ihnen zugewiesenen Plätze nicht an. Die Zahlen stammen aus einer parlamentarischen Anfrage der Abgeordneten Franziska Brychcy (Die Linke). Laut einer internen Umfrage der Ankerschulen vom Mai 2026 hatten jedoch 89 Schüler aus dem ersten Jahrgang des 11. Pflichtschuljahres bereits Ausbildungsverträge abgeschlossen.

Zukunftsträume der Schüler: Vom Abitur bis zum Studium

Umut hat bereits einen Plan: Er will die MSA-GO erreichen, dann die Oberstufe besuchen und das Abitur machen. „Danach möchte ich Informatik studieren. Das interessiert mich.“ Seine Mitschülerin Zahraa hat ebenfalls eine Idee: „Auf jeden Fall erst das Abitur, und dann möchte ich Forensik oder Innenarchitektur studieren.“ Umuts Freund Wael strebt ebenfalls das Abitur an. „Obwohl meine Grundschullehrer nie geglaubt hätten, dass ich das schaffen kann“, sagt er. An der Quinoa-Schule haben die Lehrer keine Zweifel. „Wir haben oft erlebt, dass Kinder und Jugendliche ihre eigenen Erwartungen übertroffen haben“, sagt Pavlakidis. „Wir ermutigen sie in ihren Plänen und glauben an ihren Erfolg. Für uns gehört das zu einer guten Schule. Es ist viel mehr als nur das Unterrichten von akademischen Fächern.“