Ricarda Lang bei Checkpoint-Revue: Mitleid mit Kai Wegner
Ricarda Lang: Mitleid mit Kai Wegner bei Checkpoint-Revue

Bei der achten Ausgabe der „Checkpoint-Revue“ im ausverkauften Comedyclub „Punchline“ am Potsdamer Platz war Ex-Grünen-Chefin Ricarda Lang zu Gast. Die 32-jährige Bundestagsabgeordnete sprach offen über ihre ersten Erfahrungen in Berlin und ihre politische Karriere.

Ein schwieriger Start in Berlin

Ricarda Lang erinnerte sich an ihren ersten Tag in der Hauptstadt, der alles andere als glücklich verlief. Kurz vor der Ankunft hatte ihr damaliger Freund mit ihr Schluss gemacht. Stundenlang sei sie durch die Stadt gefahren und habe schließlich in einem Hostel übernachtet. „Ein schrecklicher erster Tag“, sagte sie. Doch mit der Zeit habe sie Berlin schätzen gelernt. Inzwischen bezeichne sie sich als „Jahreszeiten-Berlinerin“. Sobald die ersten Sonnenstrahlen herauskommen, liebe sie diese Stadt und könne sich nicht vorstellen, woanders zu wohnen.

Kein Interesse an der Bürgermeisterrolle

Obwohl sie Berlin mag, betonte Lang, dass sie „auf gar keinen Fall“ Regierende Bürgermeisterin werden wolle. „Ich bin sehr glücklich im Bundestag“, sagte sie lachend im Gespräch mit Tagesspiegel-Herausgeber Lorenz Maroldt und der stellvertretenden Chefredakteurin Anke Myrrhe. Mit Amtsinhaber Kai Wegner (CDU) habe sie inzwischen Mitleid. „Hast du Scheiße am Schuh, macht dir auch noch ein Vogel auf den Kopf“ – so fasste sie Wegners politische Bilanz der vergangenen Monate zusammen.

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Eigenes Scheitern und politische Kritik

Lang reflektierte auch über ihre eigene Karriere. „Das erste große Scheitern ist direkt auf der großen Bühne passiert.“ Als Bundesvorsitzende habe sie Angst gehabt, als „zu jung, zu links, zu unernst“ wahrgenommen zu werden, und sei „nicht stabil genug“ gewesen. „Ich habe mehr Zeit damit verbracht, zu beweisen, wer ich nicht bin“, sagte Lang. Sich ein dickes Fell zuzulegen, habe sie dennoch stets abgelehnt. „Politische Verantwortung sollte nicht nur etwas für Menschen mit Hornhaut auf der Seele sein.“

Sie kritisierte den Politikbetrieb und die Medien dafür, dass sie zu oft der Logik von Gewinnen und Verlieren verfielen. „Wir reden endlos darüber, ob eine Maßnahme ein Erfolg für die Grünen oder die Union ist. Das juckt da draußen aber niemanden.“ Wenn das so bleibe, verliere am Ende die Demokratie selbst.

Weitere Höhepunkte der Revue

Die Veranstaltung bot noch weitere Highlights: In der „Kiekste“-Show führte Checkpoint-Erfinder Lorenz Maroldt durch die absurdesten und liebenswertesten Szenen der Stadt. Der scheidende Tourismuschef Burkhard Kieker hatte einen Gastauftritt und gab mit kölschem Dialekt einen verirrten Touristen. Die Checkpoint-Band feierte Berlin von Adlershof bis Zehlendorf, erstmals verstärkt durch die australische Singer-Songwriterin Georgie Fisher. „Schnuppen“-Zeichnerin Naomi Fearn besang ihre Liebe zum Malen, und Robert Ide verzauberte das Publikum mit einer wahren Liebesgeschichte.

Im Checkpoint-Quiz sicherte sich Onno Söling aus Schöneberg den Titel „Berlinkenner des Monats“ und bewies Gespür für die feineren Töne der Stadtpolitik. Selbst das Zitat „Faust und Mephisto in einer Person“ ordnete er souverän zu: Oliver Reese, Intendant des Berliner Ensembles, charakterisierte so Finanz- und Kultursenator Stefan Evers (CDU).

Nach einer verlängerten Sommerpause inklusive Berlin-Wahl geht es weiter: Am 19. November lädt der Checkpoint zur nächsten Revue. Der Vorverkauf läuft bereits.

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