Berlin – Am 6. September steht in Sachsen-Anhalt eine richtungsweisende Landtagswahl an. Die aktuellen Umfragen sehen die AfD mit 42 Prozent deutlich vor der regierenden CDU, der ein Machtverlust droht. Dennoch zeigt sich Ministerpräsident Sven Schulze (46, CDU) im Interview mit BILD kämpferisch. Das Gespräch wurde gekürzt und das gesprochene Wort gilt.
Schulze setzt auf persönliche Beliebtheit
Auf die Frage, wie die CDU die Wahl noch gewinnen könne, antwortet Schulze: „Die CDU liegt klar hinter der AfD. Aber bei der persönlichen Bewertung, wer Ministerpräsident bleiben soll, liege ich klar vorn – auch vor dem AfD-Spitzenkandidaten. Die Menschen schätzen meine Arbeit. Und ich bin überzeugt: Menschen wählen Menschen. Im Wahlkampf wird es heißen: Sven Schulze gegen die AfD.“
Wie oft kommt Merz nach Sachsen-Anhalt?
BILD hakt nach: Schulze hatte im MDR gesagt, die Menschen seien unzufrieden mit dem, was sie aus Berlin bekämen – und er selbst auch. Die Frage: Wie oft wolle er CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz im Wahlkampf vor Ort sehen? Schulze entgegnet: „Bundeskanzler Merz wird in Sachsen-Anhalt unterwegs sein, ebenso wie andere Regierungsmitglieder. Auch Ministerpräsidenten wie Markus Söder oder Henrik Wüst werden mich unterstützen. Wir brauchen starke Partner in den anderen Ländern und die Zusammenarbeit mit Berlin und Brüssel.“
Auf die erneute Nachfrage, wie oft er Merz einlade, sagt Schulze: „Es geht um Sachsen-Anhalt. Ich bin jeden Tag im Wahlkampf, vor allem als Ministerpräsident. Das wird von den Menschen honoriert. Darauf konzentriere ich mich.“
Keine Koalition mit AfD oder Linken
BILD fragt nach der Unvereinbarkeitsklausel: Wie soll eine Regierungsbildung ohne AfD und Linke gelingen? Schulze stellt klar: „Nach dem 6. September wird in einem Kabinett Sven Schulze kein AfD-Minister und keine Linken-Ministerin sitzen. Mehr kann ich jetzt nicht sagen. Ich will die Menschen von meinem Programm überzeugen. In den ersten 100 Tagen habe ich eine Verwaltungsreform angestoßen und gezeigt, wie das Schulsystem angepasst werden kann.“
Schuld der Bundesregierung an AfD-Erfolgen?
BILD konfrontiert Schulze mit seiner Kritik an Schwarz-Rot: Wie viel Schuld trägt die Bundesregierung an den Rekordwerten der AfD? Schulze antwortet: „Ich bin Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Unabhängig von Wahlen oder Verantwortlichen in Berlin und Brüssel habe ich mein Land im Blick. Wenn Entscheidungen meinem Heimatland schaden, äußere ich mich. Offene Ansprache führt zu Lösungen. Das werde ich auch künftig tun, egal wie die Reaktion ausfällt.“
Kraftquellen im Wahlkampf
Auf die letzte Frage, was ihm Kraft gebe, sagt Schulze: „Meine Familie – meine Frau und Kinder – und die vielen persönlichen Begegnungen, bei denen Menschen sagen: ‚Herr Schulze, gehen Sie diesen Weg weiter.‘ Das zeigt mir: Wenn ich persönlich besser dastehe als die Partei, ist der Weg richtig. Das gibt mir Kraft.“



