Australiens Social-Media-Verbot: Studie zeigt geringe Wirkung bei Jugendlichen
Social-Media-Verbot in Australien zeigt kaum Wirkung

Das weltweit erste flächendeckende Verbot von Social Media in Australien hat bisher wenig Auswirkungen auf das Nutzungsverhalten von Teenagern bei Angeboten wie Instagram, Facebook und TikTok. Das zeigt eine Erhebung zur Wirksamkeit der Maßnahme, die am Donnerstag im renommierten British Medical Journal veröffentlicht wurde.

Studie: Keine nennenswerten Veränderungen bei der Nutzung

„Wir haben keine hinreichenden Belege dafür gefunden, dass das Gesetz bereits nennenswerte Auswirkungen auf die Nutzung sozialer Medien bei Jugendlichen unter 16 Jahren hatte“, heißt es in der Studie, die von in Australien ansässigen Forschern durchgeführt wurde. Immerhin stellen die Forscher in Aussicht, dass sich möglicherweise bei der nächsten Generation von Nutzern ein größerer Effekt einstellen könnte.

Minderjährige Nutzer umgehen demnach die per Gesetz erlassenen Beschränkungen, indem sie beispielsweise Fake-Accounts erstellen oder Konten nutzen, die auf ältere Personen registriert sind.

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Methoden der Umgehung sind vielfältig

Die Forscher befragten für ihre Studie zunächst mehr als 400 junge Social-Media-Nutzer unmittelbar vor Inkrafttreten der Beschränkungen. Drei Monate später wurden diese Heranwachsenden erneut zu ihrem Nutzungsverhalten befragt. Bei den 12- bis 13-Jährigen gab es der Studie zufolge kaum Veränderungen bei der Nutzung der Plattformen, bei der Altersgruppe der 14- bis 15-Jährigen einen leichten Rückgang und bei den Nutzern ab 16 Jahren einen Anstieg.

Als Knackpunkt gilt weiter die Alterskontrolle. Laut der Studie hatten zwei Drittel der Befragten angegeben, dass sie eine solche zwar durchlaufen mussten. Allerdings wurden nur fünf Prozent der 12- und 13-Jährigen und elf Prozent der 14- und 15-Jährigen aufgefordert, ein entsprechendes Dokument mit Foto vorzuweisen.

Zudem gibt es offenbar genug Wege, den Bann anderweitig zu umgehen. So verwendeten zwischen 15 und 19 Prozent der Befragten ein ausgedachtes Profil, drei Prozent behalfen sich mit einem VPN-Zugang.

Australien als Vorreiter – Diskussion auch in Deutschland

Australien war mit seinem im Dezember 2025 in Kraft getretenen Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige weltweiter Vorreiter. Seitdem erließen mehrere weitere Länder ähnliche Vorschriften. Auch in Deutschland wird über das Thema diskutiert: Nach monatelanger Arbeit hatte am Mittwoch eine Expertenkommission ihre Handlungsempfehlungen für den Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt vorgestellt. Das vom Familienministerium eingesetzte Gremium riet von einem strengen pauschalen Social-Media-Verbot ab. Stattdessen schlug es entweder eine Mindestaltersgrenze von 13 Jahren oder Beschränkungen für einzelne Social-Media-Angebote vor.

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