SPD-Vorschlag: Neue Pädagogische Hochschule in Berlin? Experten uneins
SPD-Vorschlag: Pädagogische Hochschule in Berlin?

Ein radikaler Reformvorschlag des SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach hat in Berlin eine hitzige Debatte über die Lehramtsausbildung ausgelöst. Krach schlägt vor, das Lehramtsstudium zu zentralisieren und eine neue Pädagogische Hochschule (PH) zu gründen. Dies würde bedeuten, dass die Universitäten künftig keine oder deutlich weniger Lehrkräfte ausbilden würden.

Unklare Details und offene Fragen

Krach hat seinen Vorschlag jedoch nicht konkretisiert. So bleibt unklar, ob eine solche PH alle Lehrkräfte ausbilden würde oder nur für die Grundschule, in welches Gebäude die PH ziehen würde und wie viel Geld dafür nötig wäre. Die Unklarheiten sorgen für zusätzliche Kritik an dem Vorstoß.

Reaktionen der Universitäten

Die drei großen Universitäten Berlins sowie die Universität der Künste würden durch eine PH-Gründung erheblich geschwächt. Werden Lehramtsstudiengänge gestrichen, erhalten sie weniger Zuschüsse vom Land. Zudem wäre es ein Signal, dass ihre Bemühungen um praxisnahe Studiengänge gescheitert seien. Entsprechend empört reagierten Uni-Vertreter auf Krachs Vorschlag.

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Ein Sprecher der Freien Universität Berlin sagte: „Die Universitäten haben in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen, die Lehramtsausbildung zu verbessern. Eine PH-Gründung wäre ein Rückschlag für diese Entwicklung.“

Expertenmeinungen und Vergleich mit Baden-Württemberg

Wie bewerten Experten das Modell „PH“, die nicht direkt vom hochschulpolitischen Streit in Berlin betroffen sind? Ein Blick nach Baden-Württemberg, wo es bereits Pädagogische Hochschulen gibt, zeigt gemischte Erfahrungen. Professorin Anna Müller von der Universität Stuttgart erklärte: „In Baden-Württemberg haben sich die PHs bewährt, aber die Zusammenarbeit mit den Universitäten ist nicht immer reibungslos. Eine Übertragung auf Berlin wäre komplex.“

Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) aus dem Jahr 2025 absolvieren in Baden-Württemberg rund 40 Prozent der angehenden Lehrkräfte ihr Studium an einer PH. Die restlichen 60 Prozent studieren an Universitäten. In Berlin hingegen werden derzeit fast alle Lehrer an Universitäten ausgebildet.

Auswirkungen auf die Bildungspolitik

Der Vorschlag von Krach könnte weitreichende Folgen für die Berliner Bildungslandschaft haben. Neben den finanziellen Einbußen für die Universitäten wäre auch die Frage der Qualität der Ausbildung entscheidend. Kritiker befürchten, dass eine reine PH zu einer geringeren wissenschaftlichen Durchdringung des Lehramtsstudiums führen könnte. Befürworter hingegen betonen die Vorteile einer stärkeren Praxisorientierung.

Die Debatte wird in den kommenden Wochen sicherlich weitergehen, insbesondere im Hinblick auf die anstehenden Wahlen in Berlin. Steffen Krach selbst äußerte sich zuversichtlich: „Wir brauchen eine moderne und praxisnahe Lehrerausbildung. Eine Pädagogische Hochschule kann genau das bieten.“

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