Das Bayerische Staatsballett hat sich mit sofortiger Wirkung von seinem Ersten Solisten Julian MacKay getrennt. Die außerordentliche Kündigung erfolgte am Montag, wie das Haus mitteilte. Zu den genauen Hintergründen wollte sich das Staatsballett aus juristischen Gründen nicht äußern. Eine Sprecherin erklärte auf Nachfrage, dass dem Schritt über mehrere Wochen hinweg diverse offizielle und inoffizielle Gespräche vorausgegangen seien.
MacKay äußert Kritik an Besetzungspolitik
Julian MacKay selbst führte seine Entlassung in einem Instagram-Post auf seine geäußerte Kritik zurück. Demnach habe er „Bedenken geäußert über etwas, was ich als Fehlverhalten und ungerechte Behandlung in der Ballettsparte empfand“. Er habe die Theaterleitung gebeten, dies zu untersuchen, und gedroht, dass er ansonsten kündigen werde. Stattdessen sei er mit sofortiger Wirkung gefeuert worden – zu einem Zeitpunkt, als er nach eigenen Angaben krankgeschrieben war. MacKay schrieb weiter: „Es ist nicht in Ordnung, Künstler so zu behandeln, und ich werde nicht über Missbrauch in meiner Branche schweigen.“
Nach Angaben der Sprecherin des Staatsballetts bezog sich MacKays Kritik in erster Linie auf die Besetzungspolitik des Ballettdirektors Laurent Hilaires. Dieser habe ebenso wie weitere Vertreter der Bayerischen Staatsoper in den vergangenen Wochen wegen der Gründe der nun erfolgten Entlassung Gespräche mit MacKay geführt.
Widersprüchliche Darstellungen zur Kündigungsmitteilung
Das Staatsballett widersprach MacKays Darstellung, wonach dieser über eine entsprechende Mitteilung in den sozialen Medien von seiner Kündigung erfahren habe. Die Entscheidung und deren Gründe seien ihm persönlich mitgeteilt worden, sagte die Sprecherin. Eine halbe Stunde nach der Beendigung des Gesprächs seien entsprechende Informationen veröffentlicht worden.
MacKay tanzte seit der Spielzeit 2022/23 als Erster Solist für die Kompagnie. Er wurde im US-Bundesstaat Montana geboren, im Alter von elf Jahren ging er für seine Ausbildung an die Bolschoi-Ballettakademie nach Moskau. Nach Auftritten mit dem Russischen Staatsballett folgten neben internationalen Gastauftritten Stationen beim Royal Ballet in London, im Mikhailovsky-Theater in St. Petersburg und beim San Francisco Ballet. Der Tänzer hat gemeinsam mit seinem Bruder auch eine auf Tanz spezialisierte Produktionsfirma.



