Steinmeier im Ahrtal: Flut-Jahrestag ist Auftrag für mehr Hochwasserschutz
Steinmeier: Flut-Jahrestag ist Auftrag für mehr Schutz

Fünf Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben Menschen an zahlreichen Orten der Opfer gedacht. Im besonders schwer getroffenen Ahrtal sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: „Dieser Tag ist auch ein Auftrag an uns alle, mit unseren Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass Hochwasserkatastrophen mit den Folgen, wie wir sie hier erlebt haben, sich möglichst nicht wiederholen.“

Gedenken und Ausstellung in Altenahr

Steinmeier eröffnete die Fotoausstellung „We Ahr Strong. Fünf Jahre, ein neuer Blick“ in Altenahr und legte in der Kapelle des Friedhofs in Ahrweiler einen Kranz nieder. „Ein solcher Jahrestag ist kein einfacher Tag“, sagte er. „Man möchte nach vorne schauen, aber gleichzeitig spürt man den Schmerz noch.“ Die Ausstellung zeigt Porträts von Menschen aus der Region und erzählt, was ihnen in der schweren Zeit geholfen hat, worauf sie stolz sind und welche Zukunftsvisionen sie haben.

Betroffene berichten: „Mir ist das Leben noch mal geschenkt worden“

Der 89-jährige Eberhard aus Ahrweiler berichtete: „Alles, was ich geliebt habe, ging in dieser einen schrecklichen Nacht verloren.“ Seine Frau sei ihm in einer Flutwelle aus den Armen gerissen worden. Mittlerweile blickt er mit Zuversicht in die Zukunft: „Mir ist das Leben noch mal geschenkt worden, nach fünf Jahren nach dieser Flut.“ Laura, die bei der Flut 13 Jahre alt war, erzählte, es sei „sehr schlimm“ gewesen. Erst in den frühen Morgenstunden, als das Wasser zurückging, konnte sie kurz die Augen schließen. Danach hieß es: helfen, anpacken, unterstützen.

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Solidarität und Schmerz fünf Jahre später

Steinmeier, der nach eigenen Angaben zum fünften Mal ins Ahrtal kam, sagte: „Fünf Jahre später ist der Schmerz und das Leid nicht vergessen. Aber wenn wir hier sind, dann erinnern wir nicht nur an den Ort einer Katastrophe, sondern auch an einen Ort, der ein beeindruckendes Maß an Solidarität erfahren hat.“ Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) betonte, hinter jeder Opferzahl stehe das Schicksal eines Menschen und einer Familie. Das Gedenken und Erinnern sei wichtig, um dem Schmerz Raum zu geben.

Landrätin Weigand: „Manche Verluste sind unersetzlich“

Die parteilose Landrätin des Kreises Ahrweiler, Cornelia Weigand, erlebte die Flut als Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr mit. Die Ausstellung zeige, dass von der Flut mehr geblieben sei als Zerstörung. Doch: „Manche Verluste sind unersetzlich.“ Sie forderte: „Egal, wie viel Schutz wir hier bauen und wie viel Raum wir der Ahr flussaufwärts geben: Es wird nicht reichen, um hier die Investitionen, die Anstrengungen der Menschen (...) ausreichend vor einem neuen hundertjährlichen Hochwasser schützen zu können.“ Sie bat den Bund um Öffnung der Aufbauhilfefonds für Hochwasserrückhaltebecken. Steinmeier meinte, diese Debatte müsse vor Ort und im Land geführt werden.

Die Flut 2021: Mehr als 180 Tote und zerstörte Infrastruktur

Die Flut in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 war eine der verheerendsten Naturkatastrophen in der jüngeren deutschen Geschichte. Nach tagelangem Starkregen verwandelte sich die Ahr in eine Sturzflut. Mindestens 136 Menschen starben in Rheinland-Pfalz, 49 in Nordrhein-Westfalen. Mehrere hundert wurden verletzt, eine Person aus der Ahr-Region gilt bis heute als vermisst. Viele Überlebende kämpfen noch immer mit psychischen Folgen. Die Flut riss Autos, Häuser und Leben mit sich, zerstörte die Infrastruktur weitgehend. Fünf Jahre später ist der Wiederaufbau noch nicht abgeschlossen. Bei Brücken, Schulen, Krankenhäusern und kommunaler Infrastruktur laufen noch Projekte. Die Bahn fährt seit einigen Monaten wieder regulär auf allen Strecken.

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Reformen im Katastrophenschutz

Die Flut hat Reformen angestoßen, darunter ein Sirenen-Förderprogramm und die Einführung von Cell Broadcast als Warnsystem. Damit können Warnmeldungen direkt an alle Mobiltelefone gesendet werden. In Rheinland-Pfalz entstand ein neues Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz. Der frühere Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) betonte: „Wer heute im Ahrtal unterwegs ist, sieht die vielen positiven Veränderungen. Sie machen Mut.“ Es gehe nicht nur um den Wiederaufbau von Häusern, Straßen und Brücken, sondern auch darum, dem Tal eine sichere und lebenswerte Zukunft zu geben.