US-Präsident Donald Trump hat eine überraschende Kehrtwende in der Politik um die Straße von Hormus angekündigt. In einem Beitrag auf seinem Netzwerk Truth Social erklärte er, die USA würden künftig als „DER WÄCHTER DER STRASSE VON HORMUS“ fungieren und für diese Aufgabe eine „Erstattung in Höhe von 20 Prozent aller transportierten Fracht“ verlangen. Damit führt Trump genau jene Gebühren ein, die er zuvor am Iran scharf kritisiert hatte.
Trumps Kehrtwende: Von Kritik zur eigenen Maut
Bislang hatte die US-Regierung unter Trump stets betont, dass kein Staat Gebühren für die Durchfahrt durch die internationale Wasserstraße erheben dürfe. Außenminister Marco Rubio hatte erklärt: „Kein Land darf auf einer internationalen Wasserstraße Mautgebühren oder Abgaben erheben.“ Dies widerspreche internationalem Recht. Nun will Trump genau das tun – und rechtfertigt die neue Abgabe mit den Kosten für die Sicherung der Route.
In seinem Beitrag schrieb Trump: „Die Straße von Hormus ist OFFEN und wird OFFEN bleiben, mit oder ohne den Iran. Die USA werden von nun an als ‚DER WÄCHTER DER STRASSE VON HORMUS‘ bekannt sein, werden aber in dieser Funktion und aus Gründen der GERECHTIGKEIT eine Erstattung in Höhe von 20 Prozent aller transportierten Fracht erhalten, um alle Kosten zu decken, die für die Gewährleistung von Sicherheit und Schutz in diesem äußerst instabilen Teil der Welt erforderlich sind.“ Weder in diesem Post noch in späteren Interviews erläuterte Trump, wie die Gebühr berechnet werden soll, wie lange sie gelten soll oder wie sie sich von den iranischen Forderungen unterscheidet.
Iran reagiert mit Spott und Zustimmung
Die Ankündigung Trumps folgt einem vertrauten Muster: Wer von der militärischen Schutzmacht USA profitiert, soll dafür bezahlen. Damit gibt Trump eine zentrale, grundsätzliche Position der USA auf: Jahrzehntelang traten sie als Garant der freien Schifffahrt auf. Zugleich verliert sein Argument gegen iranische Gebühren an Glaubwürdigkeit. Für Reedereien bleibt am Ende vor allem eine praktische Frage: An wen müssen sie zahlen?
Teheran ließ sich die Steilvorlage nicht entgehen. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi schrieb auf X: „Der Präsident der Vereinigten Staaten hat absolut Recht. Wer für die sichere Durchfahrt von Handelsschiffen durch die Straße von Hormus sorge, solle für diese Dienstleistung entschädigt werden. 20 Prozent sind natürlich zu viel – wir werden fair sein.“
Praktische Folgen für Reedereien: Doppelte Abgaben oder Konfliktrisiko
Die USA eskortieren Schiffe auf der südlichen Route nahe Oman. Der Iran beansprucht dagegen die Kontrolle über die gesamte Meerenge und greift Schiffe an, die nicht durch seine Hoheitsgewässer fahren. Sollte Trump seine Gebühr tatsächlich durchsetzen, stünden Reedereien vor der absurden Wahl: Sie müssten entweder Washington bezahlen und zugleich das Risiko iranischer Angriffe eingehen – oder sich mit Teheran arrangieren und einen Konflikt mit der US-Regierung riskieren.
Seit Trump den Krieg gegen den Iran begonnen hat, ist die Straße von Hormus zu Teherans effektivstem Druckmittel geworden. Der Iran hat wiederholt gezeigt, wie stark er den Schiffsverkehr in der Meerenge blockieren kann. Über diese Route werden rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases transportiert.
Wirtschaftliche Folgen: Transportkosten könnten drastisch steigen
Die geopolitische Kehrtwende Trumps hätte damit ganz konkrete wirtschaftliche Folgen. Zwar hat der US-Präsident nicht erläutert, wie die Gebühr in Höhe von 20 Prozent berechnet werden soll. Sollte sie jedoch auf den Wert der Ladung erhoben werden, könnten sich die Kosten für den Öltransport durch die Meerenge der „New York Times“ zufolge mehr als verdoppeln.
Die Zeitung verweist auf eine Berechnung des Ökonomen Rico Luman von der Großbank ING. Demnach kostet der Transport eines Barrels Rohöl vom Persischen Golf nach Europa derzeit rund zehn Dollar. Würde Trump 20 Prozent auf den Warenwert erheben, kämen bei einem Ölpreis von 80 Dollar weitere 16 Dollar hinzu. Die Transportkosten würden damit von rund zehn auf etwa 26 Dollar steigen. Bei einem Supertanker mit zwei Millionen Barrel wären das Zusatzkosten von mehr als 30 Millionen Dollar.



