Gianni Infantino, der umstrittene FIFA-Präsident, hat in einem Interview mit dem Schweizer Sender „blue Sport“ angedeutet, die Weltmeisterschaft nach dem aktuellen Turnier von 48 auf 64 Teams aufzustocken. Dies geschieht vor dem Hintergrund massiver Kritik und Manipulationsvorwürfe, die die Glaubwürdigkeit des Turniers erschüttern. Die Ankündigung wird von vielen als Versuch gewertet, von den Skandalen abzulenken und Infantinos eigene Position zu sichern.
Manipulationsvorwürfe und Vertrauenskrise
Die WM 2026 steht im Schatten schwerer Vorwürfe. Besonders der „Fall Folarin Balogun“ hat die Wut auf Infantino verstärkt. Der US-Stürmer war nach einem harten Foul vom Platz gestellt worden, doch ein Funktionär soll im Alleingang über eine Begnadigung entschieden haben. Dies führte zu Forderungen prominenter Stimmen aus Europa, Infantino zu stürzen. Zudem sorgte die Einflussnahme von Donald Trump, einem engen Verbündeten des FIFA-Chefs, für Empörung.
Die Liste der Vorwürfe ist lang: ein nicht geahndetes brutales Foul an Lionel Messi im ersten Spiel, ein nicht überprüfter Elfmeter für Ägypten in der Schlussphase sowie auffällige Karten- und Elfmeterstatistiken, die Argentinien begünstigen sollen. Der ägyptische Trainer Hossam Hassan sprach offen von Manipulation, konnte jedoch keine Beweise vorlegen. Infantinos Lob für Messi und seine herzlichen Glückwünsche nach dem Sieg gegen Kap Verde heizten die Spekulationen weiter an.
Nebelkerze oder strategischer Schachzug?
Infantino präsentiert die Aufstockung als Chance, die WM inklusiver zu machen. Außenseiter wie Kap Verde oder die Demokratische Republik Kongo hätten das Turnier bereichert. Doch Kritiker durchschauen das Manöver: Mehr Teams bedeuten mehr Spiele – 128 statt 104 – und vor allem mehr Geld. Die FIFA könnte noch höhere Einnahmen durch Ticketpreise und Sponsoren erzielen. „Es ist eine allzu leicht zu durchschauende Nebelkerze“, schreibt die Sportredaktion. Die Aufstockung diene vor allem dazu, Infantinos Macht zu festigen, indem er den Mitgliedsverbänden mehr Geld ausschütten kann. Viele kleine Nationen würden davon profitieren, doch die Korruptionsgefahr bleibt bestehen.
Technische Kontroversen und das „Kabel-Gate“
Ein weiterer Skandal erschütterte das Viertelfinale zwischen England und Norwegen. Nach einem Abschlag des norwegischen Torwarts Orjan Nyland soll der Ball das Kabel einer Spidercam berührt haben, bevor Englands Anthony Gordon die Vorlage zum 1:1-Ausgleich lieferte. Norwegens Trainer Stale Solbakken forderte eine Überprüfung, doch die FIFA wies die Vorwürfe zurück. Auf Bildmaterial der Spidercam sei „klar zu sehen, dass die Kamera weder wackelt noch sich bewegt“. Der Glaube an die FIFA ist jedoch erschüttert.
Historische Brisanz im Halbfinale
Das Halbfinale zwischen Argentinien und England ist nicht nur wegen der jüngsten Kontroversen aufgeladen. Die historische Rivalität reicht zurück bis zum Falklandkrieg 1982, bei dem über 900 Menschen starben. Im Viertelfinale der WM 1986 besiegte Argentinien England dank Diego Maradonas „Hand Gottes“ und seines Traumsolos. Auch spätere Begegnungen waren hitzig. Nun treffen beide Teams in Atlanta aufeinander, und Infantino wird voraussichtlich im Stadion sein. Medienberichten zufolge besteht eine Vereinbarung, dass in jeder Halbzeit mindestens eine Aufnahme eines Würdenträgers gezeigt werden muss – Infantino wird also präsent sein.
Fazit: Infantino setzt auf Geld und Macht
Trotz aller Kritik bleibt Infantino siegesgewiss. Die Aufstockung der WM ist sein Trumpf, um die Kritiker zu besänftigen und seine Position zu sichern. Ob dies den Fußball retten kann, ist fraglich. Die Glaubwürdigkeit des Sports hat durch die jüngsten Ereignisse schwer gelitten. Infantino scheint jedoch unbeirrt: „Er kann augenscheinlich machen, was er will.“



