Der frühere Bürgermeister der Metropolregion Greater Manchester, Andy Burnham, steht unmittelbar vor der Ernennung zum nächsten Premierminister Großbritanniens. Mit der Unterstützung von 349 Abgeordneten der Labour-Fraktion ist die erforderliche Mehrheit für seine Kandidatur gesichert, wie die Nachrichtenagentur PA berichtete. Rechnerisch ist damit ausgeschlossen, dass ein Gegenkandidat die nötigen Stimmen erreicht. Für die Kandidatur sind 20 Prozent der Labour-Abgeordneten erforderlich, das entspricht derzeit 81 Stimmen. Burnham hat diese Hürde mit 349 Zusagen deutlich übertroffen.
Mathematisch garantierte Krönung
Die britischen Medien bezeichnen Burnhams Aufstieg bereits als „Krönung“ (coronation). Der Sender Sky News schrieb, Burnhams Kür sei mathematisch garantiert. Neben der Fraktionsunterstützung benötigt Burnham noch die Zustimmung von drei der Partei angeschlossenen Organisationen und von Gewerkschaften, was als reine Formsache gilt. „Andy Burnham wird der nächste Premierminister“, meldete PA.
Burnham hatte bereits in der vergangenen Woche für seine bis dahin 322 Unterstützer gedankt und betont, die Unterstützung komme aus allen Teilen der Partei und zeige, „dass Großbritannien einen neuen politischen Ansatz braucht“. König Charles III. wird Burnham voraussichtlich am Montag mit der Regierungsbildung beauftragen.
Hintergrund: Starmers Rücktritt und die Krise der Labour-Partei
Der bisherige Premierminister Keir Starmer hatte im Juni unter massivem Druck seinen Rücktritt angekündigt. Er führt die Amtsgeschäfte nur noch kommissarisch, bis ein Nachfolger feststeht. Starmer war zuletzt auf Abschiedstour, unter anderem beim Treffen der „Koalition der Willigen“ in Paris. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der französische Präsident Emmanuel Macron und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dankten Starmer für seine Führungsrolle bei der Unterstützung der Ukraine. „Wir haben eng und intensiv zusammengearbeitet, dabei aber stets in großer Freundschaft“, sagte Merz.
Burnham, der als „König des Nordens“ bezeichnet wird, gilt als große Hoffnung der Labour-Partei, aus der monatelangen Krise herauszukommen. Er war von 2017 bis 2024 Bürgermeister von Greater Manchester, einer Metropolregion im Nordwesten Englands mit der Stadt Manchester als historischem und wirtschaftlichem Zentrum.
Zeitplan und nächste Schritte
Ohne Gegenkandidatur wird Burnham voraussichtlich am kommenden Freitag den Parteivorsitz von Labour übernehmen. König Charles III. dürfte ihn dann am Montag mit der Regierungsbildung beauftragen. Burnham hat bereits angekündigt, eine große Machtumverteilung zugunsten der Regionen anzustreben. Details zu seinem Regierungsprogramm werden in den kommenden Tagen erwartet.



