Nach dem enttäuschenden Ausscheiden des Senegal im Sechzehntelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Belgien (2:3) hat Verbandspräsident Abdoulaye Fall einen weiteren Schuldigen ausgemacht: Mannschaftsarzt Dr. Abderahmane Fédiore. Bei einer Pressekonferenz der Fédération sénégalaise de football (FSF) erklärte Fall, er habe kürzlich erfahren, dass Fédiore von Beruf eigentlich Gynäkologe und Geburtshelfer sei. „Unser leitender Arzt hatte also gar nicht die entsprechenden Qualifikationen, um unsere Spieler zu betreuen“, so Fall. Der Funktionär betonte, dass die Spieler kein volles Vertrauen in den Mediziner gehabt hätten und sich nicht von ihm behandeln lassen wollten. Deshalb habe man einen neuen Experten hinzugezogen, einen Landsmann, der als Arzt in Frankreich arbeitet, um die Spieler zu beruhigen.
Zweifel an Falls Darstellung
Allerdings mehren sich Zweifel an der Version des Verbandspräsidenten. Die senegalesische Sportärzte-Vereinigung ASMS (Association Sénégalaise de Médecine du Sport) veröffentlichte ein Statement, in dem sie Fédiore öffentlich verteidigt. Falls Aussagen seien unbegründet und diffamierend, die Vereinigung fordert eine Entschuldigung. Fédiore habe ein Zusatzstudium in Sportmedizin absolviert. Bereits 2018 hatte Fédiore in einem Interview erklärt: „Meine ursprüngliche Spezialisierung war Gynäkologie. Aber die Welt des Sports fasziniert mich schon immer. Im vierten Studienjahr wählte ich Sportmedizin als Wahlfach. Diesen Weg verfolge ich weiter, meinen ersten Verein betreute ich 1986. Später kam auch die Nationalmannschaft dazu.“
Suche nach Sündenböcken?
Viele Journalisten im Senegal vermuten, dass Verbandspräsident Fall nur einen weiteren Sündenbock für das WM-Aus sucht, um sich selbst besser dastehen zu lassen. Bereits zuvor war Nationaltrainer Pape Thiaw nach dem Turnier entlassen worden. Die Affäre um den Mannschaftsarzt sorgt nun für zusätzliche Unruhe im senegalesischen Fußballverband.



