Durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) gelingt es radikalen Islamisten aus dem Ausland zunehmend, mit ihren Inhalten über Social-Media-Kanäle auch junge Menschen in Deutschland zu erreichen. „Die KI beschleunigt Radikalisierung“, erklärt Jamuna Oehlmann, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus (RelEx). Während Propagandavideos früher mühsam produziert werden mussten, sei dies jetzt schnell, billig, in Übersetzung und auf die Zielgruppe zugeschnitten möglich.
Risikoprofil: Jung, alleine, online
„Jung, alleine, online“ laute das klassische Risiko-Profil von Jugendlichen, die anfällig seien für die vermeintlich einfachen Botschaften salafistischer Prediger und die simulierte Nähe von Chatbots, die sie in ihren Ansichten bestärkten. Ein Großteil des KI-generierten islamistischen Materials liegt nach Angaben der Präventionsexpertin knapp unterhalb der Strafbarkeitsschwelle.
Die KI-Nutzung durch islamistische Extremisten und Terroristen habe zu einer Turbo-Radikalisierung geführt, die sich innerhalb weniger Monate, teils sogar Wochen vollziehe, sagt Terrorismus-Experte Peter Neumann vom King’s College in London. „Das Einzeltäter-Phänomen ist ganz eng verwoben mit dem Aufstieg digitaler Technologien“, betont er.
Mehr verdeckte Ermittler im Netz gefordert
Deshalb müssten die deutschen Sicherheitsbehörden aus seiner Sicht mehr im Netz und weniger auf der Straße unterwegs sein. Staaten wie Österreich seien, was den Einsatz verdeckter Ermittler auf den relevanten Plattformen angehe, schon recht gut aufgestellt. Social Media sei der Radikalisierungsort schlechthin.
Die Geschäftsführerin der BAG RelEx betont, KI könne als Werkzeug in den Händen der Sicherheitsbehörden auch nützlich sein, etwa um extremistische Inhalte schneller aufzuspüren und bei der Strafverfolgung. In der Präventionsarbeit könnten KI-Tools auch für einige Zwecke eingesetzt werden, am Ende sei Radikalisierungsprävention aber immer auch eine „Beziehungsaufgabe“.
Einfache Antworten auf komplexe Fragen
Islamistische Influencer und Prediger versuchten junge Musliminnen und Muslime vor allem mit vermeintlich einfachen Antworten auf komplexe Fragen zu ködern, in der Regel ohne diese durch Belege zu untermauern, berichtet Sakina Abushi vom Verein ufuq.de. Da werde dann so getan, als gäbe es „die eine richtige, islamisch korrekte Antwort“, etwa zum Thema Homosexualität oder auf Alltagsfragen wie „Darf ich Geburtstag feiern?“
Inzwischen träten jedoch auch zunehmend Gegenstimmen in Erscheinung: Influencer, die sich selbst als islamisch religiös bezeichneten, und progressive Ansichten verträten.



