Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und sein Team befinden sich mitten im Umzug aus Schloss Bellevue. Nach monatelanger Vorbereitung rollen nun die Umzugswagen zum neuen temporären Amtssitz am Spreebogen. In genau einer Woche soll Steinmeier sein neues Amtszimmer beziehen; dann wird auch die Standarte mit dem Bundesadler vom Dach des Schlosses eingeholt und am Interimsquartier gehisst.
Acht Jahre Sanierung – Steinmeier kehrt nicht zurück
Die Sanierung von Schloss Bellevue und des Bundespräsidialamts ist auf bis zu acht Jahre veranschlagt. Steinmeiers Amtszeit endet im März 2026, daher wird er nicht mehr in das sSanierte Schloss zurückkehren. Auch sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin – die Wahl findet am 30. Januar statt – wird die erste Amtszeit im Ausweichquartier verbringen müssen.
Der Umzug umfasst Schreibtische, Stühle, Regale, Akten, Computer und sogar das Geschirr aus dem Schloss. Am kommenden Mittwoch sollen die Gemälde folgen. Insgesamt werden rund 40 Fuhren erwartet, wie das Bundespräsidialamt schätzt. Aufgrund der Sensibilität des Umzugs wird er unter polizeilicher Aufsicht durchgeführt.
Mitarbeiter beziehen ab Montag neue Büros
Ab kommenden Montag können die rund 220 Mitarbeiter ihre neuen Büros am Spreebogen beziehen. Der Chefkoch Jan-Göran Barth ist bereits einen Schritt weiter: Seine Küche ist schon im neuen Quartier eingerichtet, ebenso der Weinkeller mit rund 5.000 Flaschen aus allen 13 deutschen Weinanbaugebieten.
Gründe für die Sanierung
Die umfassende Sanierung ist notwendig wegen zahlreicher baulicher und technischer Mängel sowie gestiegener Anforderungen an Sicherheit, Brandschutz, Energieeffizienz und Barrierefreiheit. Das 1785 erbaute und denkmalgeschützte Schloss Bellevue hat ein undichtes Dach, defekte Lüftungsanlagen, nicht einbruchs- und schusssichere Fenster, Risse in der Fassade und Korrosion an den Geschossdecken.
Im Bundespräsidialamt muss vor allem der Brandschutz auf den heutigen Stand gebracht werden, knapp drei Jahrzehnte nach seiner Fertigstellung. Die komplette Gebäudetechnik und die zentrale Versorgungsinfrastruktur werden erneuert, ebenso wird eine moderne Notstromversorgung installiert.
Kosten explodieren auf 860 Millionen Euro
Die Bundespolizei, die für den Schutz des Amtssitzes zuständig ist, erhält eine neue Hauptwache. Auch in der denkmalgeschützten Parkanlage stehen Arbeiten an. Die Sanierung wird teuer: Fest eingeplant sind bereits 601 Millionen Euro. Für unkalkulierbare Risiken und mögliche Baukostensteigerungen sind weitere 259 Millionen Euro vorgesehen, wie das Bundespräsidialamt mitteilte.



