Tegel wird zum Zukunftsquartier: Urban Tech Republic und Wohnpark entstehen
Tegel wird zum Zukunftsquartier: Urban Tech Republic und Wohnpark

Vom Flughafen zum Innovationsstandort

Wo früher Flugzeuge starteten und landeten, entsteht in Berlin-Tegel ein zukunftsweisendes Quartier. Seit der Schließung des Flughafens im November 2020 entwickelt die landeseigene Berlin TXL Management GmbH das 500 Hektar große Areal. Ziel ist es, einen nachhaltigen, CO2-neutralen Stadtteil zu schaffen, in dem Tausende Menschen wohnen, arbeiten und forschen können.

Urban Tech Republic: Forschung und Industrie

Im Kern des Projekts steht die Urban Tech Republic rund um das denkmalgeschützte Terminalgebäude. Hier entsteht ein Forschungs- und Industriepark für Unternehmen aus den Bereichen Mobilität, Energie, Werkstoffe, Sensorik und digitale Infrastruktur. Bereits 42 Firmen und Institutionen mit rund 450 Beschäftigten sind angesiedelt, wie Geschäftsführer Frank Wolters berichtet. Sie nutzen Bestandsgebäude wie ehemalige Frachthallen und Hangars.

Ein Beispiel ist das Start-up Earthbound, das in einem Hangar recycelbare Lehmziegel und Mörtel aus Baustellenaushub produziert. Gründer Micha Kretschmann erklärt: „Wir haben für unser Pilotprojekt passende Räume gesucht und in Tegel gefunden.“

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Experimentierraum für neue Technologien

Ein besonderes Merkmal der Urban Tech Republic sind die 60 Hektar „Experimentierraum“ auf den alten Start- und Landebahnen. Hier testen Unternehmen autonom gesteuerte Autos oder Drohnentechnologie in einer sicheren Umgebung. Wolters spricht von einem Reallabor.

Das Start-up Projekt Q testet in Tegel Radar, Drohnen, Audiosensoren und Kameras zur Überwachung von Gebäuden oder Gebieten. Geschäftsführer Felix Albrecht betont: „Für uns ist Tegel entscheidend, weil es solche Flächen sonst in ganz Norddeutschland nicht gibt.“ Der Standort biete Raum für Produktion, Büros und Tests.

Wachstum und Vermarktung

Langfristig sollen in der Urban Tech Republic bis zu 1.000 Unternehmen mit 20.000 Beschäftigten forschen und produzieren. Die Vermarktung neuer Grundstücke hat begonnen. „Der Abschluss eines Vertrages mit einem ersten Investor für ein 7.000-Quadratmeter-Grundstück steht unmittelbar bevor“, sagt Wolters. Im Herbst folge ein zweites Grundstück, 2027 kämen rund 95.000 Quadratmeter Gewerbeflächen auf den Markt, 2028 weitere 124.000 Quadratmeter. Die Grundstücke werden im Erbbaurecht vergeben, das Land Berlin bleibt Eigentümer.

Terminalgebäude: Hochschule und Innovationszentrum

Die markanten Terminalgebäude bleiben erhalten. In Terminal A zieht die Berliner Hochschule für Technik ein. Die Vorarbeiten sind abgeschlossen, der Spatenstich steht bevor. Anfang der 2030er Jahre sollen 2.500 Studenten einziehen. Terminal B wird zum Gründungs-, Innovations- und Kongresszentrum umgebaut, Terminal D zum Technologiezentrum für Mobilität, KI und Robotik.

Schumacher Quartier: Wohnungen für Tausende

Im östlichen Teil entsteht auf 46 Hektar das Schumacher Quartier mit mehr als 5.000 Wohnungen für über 10.000 Menschen. Im August startet die landeseigene Degewo mit dem Bau von 337 Wohnungen in ressourcenschonender Holzhybridbauweise. Die Mieten sollen bei sieben Euro pro Quadratmeter liegen. Das Viertel wird nachhaltig mit erneuerbaren Energien, Regenwassermanagement und weitgehendem Verzicht auf Autoverkehr gestaltet.

Verkehrsanbindung: Tram und autonome Fahrzeuge

Die Anbindung des Quartiers erfolgt geplant über eine Straßenbahnlinie zur U6, die voraussichtlich 2034 fertiggestellt wird. Wolters räumt ein: „Das kommt für uns natürlich ein wenig spät.“ Er verhandelt mit der BVG über Interimslösungen und schwebt vor, das Start-up-Innovationszentrum ab 2031 mit autonomen Fahrzeugen anzubinden – schließlich arbeiten Tüftler an solchen Lösungen direkt vor Ort.

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